Lange wehrt sich der Körper gegen die ersten Sonnenstrahlen, energisch versucht das Gewissen, die Heimarbeit am Rechner voran zu treiben – aber am späten Nachmittag siegt dann doch der innere Strandhund und lässt die Reifen Richtung Ostseestrand quietschen wie Minnie Mouse beim Haarschleifen-Werksverkauf.
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Beach-Officing
Fuß-Geballe
So schaut man nur in Norddeutschland Fußball:
Während sich Deutsche und Engländer um Tore kloppen, die keine waren, genießt der Wahl-Kieler-Wochler die einmalige Skyline einer Stadt, in der die Parkplatzprobleme des kleinen Mannes Angesichts der Ausmaße eines Panama-Rentnerkreuzfahrtdampfers zur Mücke auf der Windschutzscheibe eines LKW zusammenschrumpfen.
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Outdoor-Officing
Für einen diplomierenden Breitband-Chiller wie mich passen zwei Dinge einfach mal gar nicht zusammen: Sonne und Stubenhocken. Schon als 14-jähriger Kellernerd habe ich versucht, mit dem Rechner auf dem Balkon Outdoor-Feeling und die Leistungsfähigkeit eines Pentium 75 miteinander zu vereinen. Ja, ich weiß seitdem auch: der Aufwand rechtfertigt das Ergebnis nicht.
Was aber tun, wenn die Kalkleiste nach der Sonne schreit, das schlechte Gewissen aber immer noch nicht so weit im Beck’s-See ertrunken ist, dass man die Diplomarbeit einfach beiseite schieben und sich selbst überlassen kann?
Ganz klar: die Arbeit muss unter die harte, norddeutsche Präriesonne verlegt werden.
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Anzüglichkeiten feat. Kurzmusik mit offenen Haaren
Da geht man unbefleckt, endkeusch und mit einer gesunden Portion Bock für ein nettes Konzertchen auf die größte Schifffanmeile nördlich von Ghana und muss entsetzt feststellen, dass der durchschnittliche Festteilnehmer hochgradig versaut und im selben Maße überdurstet wie untervögelt zu sein scheint.
Hemmungslose Havana-Hüte
Das weltgröße Vollfest Volksfest des norddeutschen Zarenreiches der adligen Flachlandalkoholiker hat die nördlichste, noch erwähnenswürdige Stadt Deutschlands in seinen Bann gezogen:
Die Kieler Woche lockt noch bis zum kommenden Sonntag Süßwassermatrosen, Möchtegernmakrelen und Tiefkühltruhenpiraten an ihre Fressbuden und Saufstände.
Als ausgewiesener Wirtshauswirtschaftsankurbler und passionierter Betrinker Biertrinker lädt der gemeine Pseudo-Student sich natürlich trinkfeste Wochenendgesellschaft ein, um nicht völlig sozialentfremdet der allgemeinen Aufmerksamkeit ob des eigenen Alkoholkonsum ausgesetzt zu sein. Wie bei einer Horde pink gekleideter Schornsteinfeger mit orangenen Bauarbeiterwarnwesten zerstreut sich in der Gruppe das verächtigende Blickwerk der (wenigen) nüchternen Festgäste über multiple Individuen und verletzt zwischenmenschlich korrekt nicht die Gefühle eines Einzelnen.
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Dick und durstig
Ich hätte dann gern später auch mal Kinder.
Aber den Big Tasty würden sie nie bekommen. Nach einer solch fachlich kompetenten Restaurantkritik, vor der sogar der Herr Rach ehrfurchtsvoll auf die Knie gehen würde, ist mir dieser Brotfleischklops (der Big Tasty, nicht der Junge) äußerst suspekt geworden.
Dann lieber eine Dauerwurst mit Käse und einer Prise Knoblauchsalz. Und für den Hunger zwischendurch eine alte Socke mit Fettrand vom Vortag.
Waschmaschinensharing
Als arbeitsloser Student fällt einem so manch sinnloser Krams ein, mit dem man nicht nur den eigenen Tag kurzweilig gestalten sondern auch die Nachbarn in den Tagesablauf interaktiv einbinden kann. Reißzwecken vor dem Fahrradständer verteilen ist so ein Spielchen. Oder das gute alte Kettenfett am Lenkergriff.
Besonders schön ist es auch, die Wäsche anderer Nachbarn aus der Waschmaschine zu nehmen und sie nach Peinlichkeit sortiert auf dem Trockner zu drapieren – beginnend mit dem grauen Feinrippunterhemd und endend mit BHs und Tangas im Retro-Used-Look, wie sie in den Hippie-Pornos der 60er Jahre beliebt waren.
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Physio-Physalis
Manche Menschen werden nie krank und gehen trotzdem zum Arzt. Manche Menschen werden oft krank und gehen nie zum Arzt.
Und manche Menschen sind ständig krank, gehen ab und zu zum Arzt – und wenn, dann zum Falschen oder zu einem, der nur Quatsch sabbelt.
Homöpathisches eincremen verwirrter Nasenhaare mit dreifach linksgeschleudertem Hochlandhumus hilft ganz sicher nicht gegen Verdauungsstörungen, sondern unterstützt meist noch die gesteigerte Sozialuntauglichkeit des Patienten.
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Gehirn-Vegetarier
Die Welt verfault zunehmend. Zumindest, sobald es mit Vollgas Richtung Sommer geht. Ich will da niemandem seine zart aufblühenden Sommergefühle nehmen – aber laut pöbelnd mit Fußbällen friedliche Menschenmassen abzuschiessen ist nun wirklich nicht das, was von einem literarisch interessierten und akademisch qualifizierten Bildungsstand zeugt. Klar, Kultur ist nicht alles. Aber so’n büschn sozial kann man sich nach Außen schon geben, auch wenn man tief im inneren lediglich Gefühle für Sido und tote Hirnzellen pflegt.




