Deppenapostroph’s setzen Deppen voraus, die Apostrophe setzen.
Schade, dass sich diese Deppen aber nicht nur auf das Schreiben verschandelter Texte mit anschließender, möglichst breitverpublikumter Veröffentlichung beschränken, sondern neuerdings auch gern als Passanten, Rentner auf Fensterbänken, Zeugen Jehovas, GEZ-Gebühreneintreiber und Stop-Motion-Kassierer ihr Unheil treiben.
Und als Servicepersonal in Oma’s Apotheke.
Das hat den Servicegedanken (den ihre Berufsbezeichnung ja implizit mit sich bringt) wohl bei der Geburt mit der Nabelschnur abgeschnitten bekommen. Ist wahrscheinlich so wie beim Pornotester, der in Wirklichkeit gar keine Pornos testet: Servicepersonal ist in Wirklichkeit gar nicht serviceorientiert, sondern spuckt beruflich auf Teller und präsentiert seine Menstruationslaune sonntagmorgentlich auf dem Silbertablett neben fadem Kaffee und der Miene eines Guantanamo-Häftlings, dem die täglichen Gratis-Kaugummis gestrichen wurden.
Hätte man ahnen können. Im Outfit einer ukrainischen Webcam-Frau, die in der gespendeten, drei Jahre alten GALA das Outfit von Lady Gaga bei der Verleihung der verzinkten Okraschote gesehen und als neuesten Modetrend in europäischen Frühstücksrestaurants gehalten hat, konnte dieser Bedienungsdrachen nur ein Griff in die Grabbelkiste der schlechten Restauranterfahrungen werden.
Das begann schon mit der Bestellung. Klar. Mit drei Mädels Frühstücken gehen ist nie einfach. Da fällt sogar die Auswahl aus nur zwei Gerichten schwerer, als die Entscheidung von Bill, die Monica unter seinen Schreibtisch krabbeln zu lassen. Und am Ende teilt man Frau sich doch zu dritt zwei Frühstücksplatten, um danach festzustellen, dass man vielleicht vorher hätte durchzählen sollen, wie viele Brötchen dann denn nun jeder eigentlich bekommt…
Verständlich, dass eine Kellnerin da gern mal mit der Grundlaune eines aus dem Winterschlaf geweckten, australischen Truckers an den Tisch kommt, wenn nach einer Viertelstunde Bedenkzeit Wartezeit immer noch Rückfragen gestellt werden. Logisch, dass man bei drei Frühstückstellern (zwei große, ein kleiner – einer der großen dabei für den Herren des Tisches) auch nur drei mal “Kaffee satt” bekommt. “Darum ja auch die Extra-Latte, du Zippe!”. Wir können auch lesen. Wir sind ja schließlich keine dümmlichen Kellner, die ihren Berufsstand in den Dreck ziehen. Aber Rumpampen gehört bei Oma wohl dazu. Und dass nur die drei Gerichts-Besteller den Gratis-Tee erhalten, wissen wir ebenfalls bereits, weil wir ja in der Grundschule und bei “Hallo, Spencer!” aufgepasst haben.
Klar, dass eine tieffliegende Schlechtwetterfront, die sich als sprechende Endlosschleife der Seisekarte versteht, halbgebackene Brötchen und überlagerte Früchte nur unter größter Anstrengung in knapp einer halben Stunde neben zwei Wurstscheiben auf einem hochwertigen Gastronomieteller drapieren kann. Als Gast geht man ja auch nicht zum Brunchen, weil man Hunger hat, sondern weil die sadomistische Ader mal wieder neben mampfenden Tischnachbarn im vollkommen überfüllten Lokal auf Fleischwurstgröße aufgepumpt werden soll. Aber das verstehen Menschen wohl nicht, die das Alphabet nur vom russisch Brot her kennen.
Natürlich darf niemand am Ende eines so proletarischen Mahls erwarten, mit Freudensprüngen die Rechnung vorgesungen zu bekommen, nachdem man dem Personal nun auch wirklich die letzte Rest-Wurstscheibe vom Teller gegessen hat. Und dann auch noch getrennt zahlen? “Nein. Es ist doch gerade so voll. Und so wirklich mit euch reden und mich um euch kümmern will ich auch nicht.”
Gut, dann eben die schnelle Variante: 19,80 Rechnungsbetrag. Zwei Zehner. Stimmt so.
Die großzügigen zwanzig Cent Trinkgeld dann als Anlass zu sehen, eine Diskussion über arme Restaurant-Bedienungen zu beginnen, ist nicht klug, wenn am Tisch ein Mensch sitzt, der sich bereits seit dem ersten Wortwechsel angepisst fühlt. Schade, dass solch ein Streit dann aufgrund von fehlenden, argumentativen Höchstleistungen des Streitgebers bereits nach einer Minute beendet sein muss.
“Ich mein, ihr habt alles bekommen, was ihr bestellt habt….” – “Klar. Dafür bezahlen wir doch auch.”
Mir doch egal, wer in der (wohl verdreckten) Küche putzt und wie der Kaffee von unterbezahlten Schülerpratikanten gebrüht wurde. Trinkgeld gibts für die Bedienung, nicht für den Getränkelieferanten oder den Maurer, der vor 100 Jahren das Haus gebaut hat, in dem der Vater geboren wurde, dessen Sohn dann irgendwann die Holzbank geschreinert hat, auf der ich nun sitze.
Immerhin hatte die Trulla die Klasse, sämtliche Teller mit Besteck und Gläsern zu einem Turm zu stapeln, der dann pisaös beinahe den Gehweg dekoriert hätte – wenn die zuvor angefauchten Gäste nicht freundlicherweise doch noch die ein oder andere rettende Hand gereicht hätten.
Nie wieder, Oma.
|
|
|
Tags: bedienung, bewertung, brunchen, Erfahrungsbericht, frühstück, hamburg, meinung, mies, oma's apotheke, personal, schanze, schanzenviertel, schlecht, service, sternschanze, studentenfrühstück, trinkgeld, unfreundlich
Antworten