Gehirn-Vegetarier

Die Welt verfault zunehmend. Zumindest, sobald es mit Vollgas Richtung Sommer geht. Ich will da niemandem seine zart aufblühenden Sommergefühle nehmen – aber laut pöbelnd mit Fußbällen friedliche Menschenmassen abzuschiessen ist nun wirklich nicht das, was von einem literarisch interessierten und akademisch qualifizierten Bildungsstand zeugt. Klar, Kultur ist nicht alles. Aber so’n büschn sozial kann man sich nach Außen schon geben, auch wenn man tief im inneren lediglich Gefühle für Sido und tote Hirnzellen pflegt.

So ist das wohl in einer Welt, in der die Leute die Outtakes ihres Lebens jeden Tag offen auf der Straße im Kinderwagen durch die Gegend schieben.
Da muss man als überqualifizierte Nachwuchs-Putzkraft auch mal Abschalten können und die Welt um sich herum alleine kreiseln lassen.

Chillerausrüstung: Pils und Pentium.

Besonders gut hilft dann meist ein kühler Hopfensprudel mit einem Schuss Zitrone. Dazu Sonne und Dröhnstöpsel im Ohr, um die Ausblendung ungewollter Fremdinformationen zu garantieren. Man wills ja nicht Google nachmachen und “aus Versehen” Informationen sammeln, die einen nichts angehen. Die Schwangerschaft von Frederike zum Beispiel, die immer noch nicht weiß, ob Sven oder Holger der Vater ist. Wird sich aber bei der Geburt herausstellen. Hat das Kind blaue Augen, wars Sven – und wenns ne Bierflasche wird, wars wohl Holger.

Dummbratzselektive Ohrfilter für den Outdoorgebrauch. Eine Marktlücke mit Potential für eine Gesellschaft, in der nicht nur persönliche Daten, sondern auch persönlicher Unfug zunehmend freizügiger gehandhabt wird. Wenns doch nur mit der Kleidung ähnlich wär. Sobald man ner Hotpant-Frau hinterherschaut, ist man gleich ein Spanner – brabbelt sie aber über Penisgrößen und Unterwäsche, kümmert sich niemand um die Schwarzhörerschaft.

Gut auch zu wissen, dass Maria ihren Bekannten vollkommen selbstlos das Ferienhaus für eine Woche überlässt – dass aber Horst vorher nochmal schnell die Bude nach Mäusen durchsuchen soll. Am besten streut er gleich noch Rattengift in den Heißwasserboiler, um Gerd und Claudia einen unvergesslichen Strandurlaub zu bescheren…die sollen nämlich bloß nichts kaputt machen und auch lieber ihren Sohn Manuel zuhause lassen, der ja ausser Kiffen und Sprayen nichts gebacken bekommt.
Damit hat er vermutlich vielen Leuten eine Menge voraus. Manche verhalten sich nämlich in der Öffentlichkeit so, als ob sie in etwa so hell im Kopp wie ein Teelicht im Tropensturm sind…

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1 Kommentar
Veröffentlicht in Gedöns am 3. Juni 2010 um 18:45 Uhr

Tweets über diesen Post

  1. Till Klages sagt:

    Outdoor-Geschreibsel: Gehirn-Vegetarier http://norddeuts.ch/4m #blog

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