Einkaufsparallelitäten ohne Hypotenuse

Das Leben ist wie ein Supermarkt. Zunächst fährt man locker haferflockig durch die süßlich eingerichtete Perfekte-Welt-Frühstücksecke, darauf folgt die schmutzige, von verschrobenen, langsamen Rentnern belagerte, aber dennoch Gesundheit und Jugend ausstrahlende Gemüseabteilung, danach versackt man bei der Fertigpizza und der ranzig-flauschigen Wurst- und Käsetheke, um am Ende im Schnapslager die Kehle von den erlebten Eindrücken freizuspülen.

In erster Linie geht es doch immer nur um rosafarbenen Honig. Erst danach kommen Geld und Sex.

Über allem wacht dabei der gottesgleiche Marktleiter, dem vom vielen Überwachungskamera-Glotzen schon fast die Augen aus dem Schädel kullern und der dank Gewerkschafts-Unterdrückung frei nach eigenem Gusto über den Fortlauf des wertlosen Lebens entscheiden kann.

Viele koggen sich wirr und ohne richtiges Ziel durch die weitläufigen und einladenden Gänge. Schauen mal hier, mal da – testen Dose, Frischfleisch und TK-Ware. Doch die wahren Pseudo-Experten strotzen nur so von Struktur, Plan und Umsetzungskraft: wie ein junger Michael Schumacher pesen sie durch die Regalreihen und steigen in neue Sphären auf – landen aber auch mindestens genau so schnell mal verknotet und verwickelt an bäumlichen Einrichtungsgegenständen.

Die Erfindung des Pfandautomaten für Eheringe setzt sich derweil auch in Nordeuropa durch und führt zu immensen Umsatzsteigerungen durch astronomische Pfandbons, die zum Einkauf eines Jahresvorrats an Dosengemüse und Scheidungs-Schnaps einladen. Auch der letzte frisch verpackte Neu-Junggeselle verzichtet nicht darauf, seinen Neuanfang mit dem aktuellen Playboy und der aktuellen Kassiererin zu versuchen – welche leider schon die zwei Dutzend vorhergehenden Anträge aufgrund von “zu hoher Nase” ablehnen musste.

Am Ende der Wertschöpfungskette des lebensnahen Lebensmitteldealers steht dann der angegraute Parkplatzwächter, der diesen Job eher wegen seinem weisen weißen Bart als wegen seiner augenscheinlich außerordentlich ausgefeilten Kampf- und Verfolgungskünste bekommen hat. Ist die Parkzeit dann überschritten, läutet ein freundlicher Wink mit dem aus-den-Händen-gleitenden Einkaufswagen voll Tafelschokolade, Mini-Pizzen und Melkfett glockenhaft die Fahrt Richtung Holzkiste für den abgefertigten und ausgequetschten Marktbesucher ein. Unter schönsten Hupklängen und vor den Augen geiernder Genitalunfälle nimmt der Lauf des Kaufs seinen Weg, ohne dabei nicht noch ein Knöllchen für “Fahren bei Weißlicht” zu kassieren.

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Veröffentlicht in Gedöns, Kurz notiert am 11. Mai 2010 um 11:47 Uhr

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