Späne ferkeln

Wenn einem langweilig ist, dann kommt man auf die verrücktesten Ideen.
Einige sammeln Briefmarken, andere Telefonnummern. Der eine backt Steine, der andere bringt Staatsanleihen zum Verkauf an den Markt.

Wieder andere kaufen sich baufällige Häuser und entkernen sie, um anschließend die Fassade zu renovieren – oder heiraten. Das sichert nebenbei obendrein Pastoren-Arbeitsplätze, nachdem vielen die Obhut ihrer Kindergruppen entzogen wurde.

Dabei sind kirchliche Trauungen auch ohne Blick auf die aktuellen pastoralen Pressepropaganzen eine eher fragwürdige Form der dauerhaften Partnerschaft. Seit über 100 Jahren ist bekannt, dass UHU deutlich festere und langlebigere Bindungen als die Kirche hervorbringt – trotzdem konnte sich das Konzept der Zwei-Komponenten-Ehe nicht durchsetzen und wurde nach etwa einem Dutzend mehr oder minder glücklicher, aber dafür dauerhafter Pärchenbindungen wieder aus dem Programm der innovationsgetriebenen Klebstoffindustrie genommen.

Um dem ganzen Anzug-Krawatte-Kleidchen-Hübschmach-Gedöns nach harten Kirchenbänken und schiefen Gesangsversuchen den richtigen, feierlichen Abschluss zu geben, wird natürlich im Anschluss an die kirchliche Atheisten-Austreibung noch ein mittleres Schloß angemietet, in dem zu mittelalterlichen Klängen von plastilinen Kompaktscheiben gar fürstliche Speisen zum freien Verzehr feilgeboten werden.

Vor dem Sonnenbad: eincremen nicht vergessen!

Ist dann auch das faul rumliegende Borstenschwein angemessen weit verwertet und die Hochzeitsgesellschaft dank überpünktlich eröffneter Bar bereits mehr als nur freunlich geworden, beginnt der gewohnt tanzlastige Teil des Feier-Abends. In völliger Abwesenheit von Tacktgefühl und Tanzschrittverständnis walzen Jung und Alt über die minimalistische Tanzfläche, nicht ohne dabei die Innenausstattung mit Füßen zu treten und im Stempelverfahren die Mittänzerschuhe mit lustigen Mustern zu versehen.

Während sich der weiche Kern Richtung Hotelzimmer vermemmt und die harte Truppe den cateringserviceeigenen Kartoffelschnaps mit verzogenem Gesicht und überspieltem Brechgefühl herunterkippt, setzt sich die partyverrückte Jugend taxisiert zur lokalen Dorfdisco ab, um dort einige Lieder in totalem Rauch und tinnitaler Musik abzuzappeln.

Das Ende eines Abends voller Voller bildet dann die gewohnt lange, aber immer wieder unterhaltsame Rückfahrt mit einem Taxifahrer, der entweder sprachkommunikativ absolut abgestumpft oder einfach nur selbst besoffen ist. Anders ist nicht zu erklären, wie man mit solchen in Alkohol konservierten Fahrgästen eine halbe Stunde ruhig reden und gleichzeitig annehmbar vorsichtig und dabei akzeptabel flott den Heimweg abspulen kann.

Tags: , , , , , , , , , ,

0 Kommentare
Veröffentlicht in Feierei, Gedöns am 10. Mai 2010 um 23:43 Uhr

Kommentieren

Kommentieren

oder abbrechen