Personalmanagement

Wer nix wird, wird (Betriebs-) Wirt. Einleuchtend, denn wenn die guten Taxifahrer-Posten schon von Juristen vereinnahmt werden, muss man sich als ebenso ahnungsloser Nixpeiler eben ein anderes Beschäftigungsumfeld suchen. Saft schubsen kann jeder, Kaffee kommt aus dem Vollautomaten und nach dem Wochenendseminar “Bierzapfen für Tannenzapfen” kann auch der letzte Schaumschläger ein Pils in nur 30 Minuten aus einer gastronomieüblichen 5-Liter-Dose pumpen.

Neben geringer Vorbildung, keinem Mindestmaß an Freundlichkeit und einer gefälschten Arbeitserlaubnis braucht der gewillte Jung-Verkeimer also nur noch ein klein wenig Grundkapital, um eine Kneipe, ein Lokal, ein China-Restaurant oder ein “Deutsch-Türkisches Nachbarschaftskafe” zu eröffnen.
Zur regelmäßigen Bestechung des Gesundheitsamt-Prüfers empfiehlt sich die frühzeitige Einstellung einer hohlgefrästen Dorfmatratze – und um Darlehen bedienen und Schulden begleichen zu können, bieten lokale Mafiaclubs unschlagbare Umschuldungskredite auf Basis einer winzigen Gegenleistung in Form von verrauchten Pokerrunden oder der Entsorgung von dubiosen Schlachtabfällen an. Auch die Vereinbarung einer kleinen, monatlichen Gebühr zur Optimierung des Sicherheitsgefühls in der Lokalität wird meist freundlicherweise gleich mit im Paket angeboten.

Läuft der Laden dann erstmal rund und hat man es geschafft, Kunden heranzulocken, die mehr trinken als der Geschäftsführer in seiner Mittagspause, so kann allmählich über die Erweiterung des Geschäftsmodells nachgedacht werden. Umfangreichere Dienstleistungen für den Kunden stehen dabei ebenso zur Debatte wie eine Verbesserung des Betriebsklimas durch angenehmere Arbeitsbedingungen für das selbstverständlich vollkommen unterbezahlte und durch Peitschenhiebe und Elektroschocks ruhiggestellte Unterschichten-Personal.

Human Resource Management

Natürlich sollten derartige Einrichtungen zur Erhaltung des Humankapitals in irgend einer Art und Weise reglementiert und kontrolliert werden. Ein Barista, der statt Bohnen zu mahlen lieber seine eigenen Bohnen in der Sonne röstet, bringt einem Café genauso viel wie ein Bademeister, der Angst vorm Wasser hat.
Da eine kameragestützte Überwachung des Personals mit hohen Initialkosten verbunden ist, sollte diese Art der Geschäftskontrolle nur auf Umkleidekabinen und sonstige Orte begrenzt werden, die verwert- und monetarisierbares Material abwerfen.
Besser geeignet ist eine Zugangskontrolle via Gehaltsabrechnung:
Günstige Eintrittspreise für Ruhe- und Aufenthaltsräume bilden eine brauchbare Grundlage; später kann über einen obligatorischen Kaffeemaschinen-Zuschlag und die Waschbeckengebühr für Küchenpersonal nachgedacht werden. Das vermindert nicht nur die durch nicht-gewinnbringende Tätigkeiten verschwendete Arbeitszeit des Personals, sondern erschließt gleichzeitig neue Einnahmequellen, die bei richtiger Kassenführung sogar ganz und gar steuerfrei am zuständigen Finanzamts-Kasper vorbeigeführt werden können.

Natürlich darf all dies nicht entgegen der geltenden Gesetzeslage zur Anstellung von minderqualifiziertem Personal umgesetzt werden. Oberste Prioriät sollte deshalb Diskretion und Repression haben. Unterdrücktes und z.B. durch Kokain im Trinkwasser abhängig gemachtes Personal bleibt stets ruhig, fröhlich und deckt den Geschäftsführer auch bei noch so intensiven Befragungen durch ein exekutives Organ.
Und sollte doch mal ein Plappermaul all diese wertvollen Geschäftsgeheimnisse ausplaudern, so bleibt immernoch die Vernichtung der im Tresor hinterlegten Aufenthaltserlaubnis und die Beschuldigung als medikamentenabhängiger Warzenschweinliebhaber mit unverschlossenen Schusswaffen in der an Schaben untervermieteten, suburbanen Wellblech-Wohnung. Damit ist bisher noch jeder seriöse Arbeitgeber mit einem blauen Auge davongekommen…

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Veröffentlicht in Gedöns am 25. April 2010 um 15:54 Uhr

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