Hochzeitscrasher

Ich habe in meinem Leben schon vieles gemacht.
Kassierer, Baumarktmitarbeiter, Leergutschubse, Stevenrohrkrabbler, Rettungsschwimmerinnengutachter, Pornodarsteller, Student, Nacktmulch am Strand…aber eins war ich bisher noch nicht:

Trauzeuge.

Bis heute.
Ein Familienohneglied Familienmitglied fragte mich, ob ich nicht bei der anstehenden Hochzeit eine der oscarverdächtigen Haupt-Nebenrollen spielen möchte.
Ein Theaterstück mit zwei Nackten in drei Akten:

  1. Bissl im Standesamt rumstehen, Ausweis vorzeigen, Unterschrift leisten, heisse Brautjungfern angraben.
  2. Familie zu Kaffee und Kuchen begleiten, freundlich sein, Nummer von heisser Brautjungfer erhaschen. Nebenbei dann doch noch irgendwann mal mit dem Rauchen anfangen.
  3. Bei der abendlichen Fress- und Feier-Veranstaltung so lang ansprechbar bleiben, bis der Rest der Meute ebenfalls einen Filmriss von der Länge einer Tarzan-Liane hat. Dann: Brautjungfer auf eine Zigarette nach draussen einladen, abknutschen und mit auf’s Hotelzimmer nehmen.

Sollte tatsächlich jemandem etwas an der Anwesenheit meiner erbärmlichen Existenz liegen, die sich seit Jahren nur auf Bier, Schnaps, Wein und Weibern begründet? Sollten neuerdings doch wieder zynische Kommentare, kreative Weltflüche und unterschichtigste Trinksprüche zum guten Ton einer Hochzeit gehören?

Muss ja wohl. Sonst wäre ich nicht eingeladen worden.
Als eine Zeremonie der Zwischenmenschlichkeit, wie ich abgestumpfter und respektentleerter Sozial-Atavist sie wohl nie erleben werde, wird dieses Fest der Liebe einen unvergesslichen Moment für mich darstellen. So wie damals, als die Gardinenstange in der Frauenumkleide das Zeitliche segnete und ich gerade mit einer wartenden Bekannten direkt davor stand. Ein Moment, den ich durch Internet-Livestreams, Schlüpfer-Fotos von kurze-Röcke-tragenden Mittzwanzigern und investigative Vorher-Nachher-Interviews des Barkeepers für die Nachwelt festhalten werde. Allein schon, um am nächsten Tag rekonstruieren zu können, wie die Party denn nun eigentlich war.

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3 Kommentare
Veröffentlicht in Gedöns, Kurz notiert am 7. April 2010 um 13:29 Uhr

3 Kommentare zu „Hochzeitscrasher“

  1. Jörn sagt:

    Was muss ich da lesen, wenn ich auf den Stevenrohrkrabbler-Link klicke? Du hast einen Schmiernippel? Fraglich ob Madame Brautjungfer dann so lange in Deinem Hotelzimmer bleibt…

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  2. till sagt:

    Lach..,nein! ;)
    Bei meinem Praktikum auf der Werft musste ich am letzten Tag in’s Stevenrohr eines Schiffes klettern, um es zu reinigen. Ölige Angelegenheit, denn (für alle, die es interessiert) das Stevenrohr umgibt die Antriebswelle, an deren einem Ende im Wasser die Antriebsschraube angebracht ist und welche am anderen Ende im Maschinenraum über eine Kupplung mit dem Schiffsmotor verbunden ist. Damit kein Wasser in’s Schiff läuft, muss die Antriebswelle sehr exakt ins Stevenrohr passen – deshalb ist selbiges gut gefettet und darf keine Metallspäne in sich tragen.

    Das ganze war also mehr eine Rekapitulation meiner Geburt, denn so ein Rohr ist gern mal 15 Meter lang und hat dabei nur einen Durchmesser von einem Meter.

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  3. Heidi sagt:

    Ich freue mich schon sehr auf deinen Hochzeitsbericht, am besten nimmste den Stomaticker mit, dann haste nen besseren Abschleppüberblick. :-P

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