Feiertage (feat. incredible Fleischsalat-Skandal)

Schön an Ostern: man sieht die Familie wieder.

"Ist das jetzt 11 Uhr 8?" - "Nee, 11 Uhr 11!" - "11 Uhr 11?" - "Ja, 11 Uhr 11!" - "11 Uhr 11 - wirklich?" - "JA! 11 Uhr 11!!!"

Schlecht an Ostern: man sieht die Familie wieder.

Es ist ja nicht so, dass man ab einem gewissen Alter ein ausreichendes Maß an Selbstständigkeit besitzt und dies seit Jahren eindrucksvoll damit unter Beweis stellt, dass man vollkommen auf sich allein gestellt im Großstadtdschungel überlebt und sich noch dazu ein soziales Umfeld aufbaut. Weit gefehlt. Kommt der Mensch nach Hause in seine vertraute Heimat, so vergisst er alles, was er in seinem Leben gelernt hat und fällt zurück in den Geisteszustand eines 17-jährigen, der nicht nur hemmungslos säuft, sondern auch keine Waschmaschine bedienen kann, keinen Wecker besitzt, nicht über die Verwendung eines Schals bescheid weiß und auch die schwarzen Wolken im Wetterbericht nicht zu deuten vermag.

Kurzum: wenn Wehrdienstleistende bei Dienstantritt ihr Hirn beim Pförtner abgeben, so denken Eltern, dass ihre Kinder selbiges beim Betreten des elterlichen Grundstücks an der Gartenpforte tun. Verständlich. Es ist ja auch eine gewaltige Umstellung, plötzlich hunderte Kilometer von der neuen Heimat entfernt die antrainierten Körperfunktionen aufrecht zu erhalten und ausserhalb des schützenden Heimes ohne die wichtigsten Muddi-Tipps zu überleben:

  • “Trink nicht so viel!” – “Mach ich doch nie!”
  • “Hast du Handschuhe, Mütze und Schal dabei?” – “Es sind 20 Grad draußen!”
  • “Soll ich dich morgen wecken?” – “Nein, das schaffe ich seit über 10 Jahren ganz gut allein!”
  • “Willst du keinen Regenschirm mitnehmen?” – “Ich hab ne Kaputze an der Jacke!”

Ein Wunder, dass einem nicht die komplette Existenz-Intelligenz abgesprochen und man zur Pflege in ein Kinderheim eingewiesen wird, wenn man sich gerade mal nicht in Elternreichweite befindet.

Besitzt man dann obendrein noch die Frechheit, gemäßigt soziale Verhaltensweisen an den Tag zu legen, brennt das Dach des Elternhauses ganz schnell lichterloh. Sich einfach Dinge aus dem Kühlschrank zu nehmen, um diese frecherweise zu essen (statt daraus ein famoses Theaterstück zu basteln), gehört dabei zu den fatalsten Fehlern, die ein abgenabeltes Kind begehen kann. Während man in jeder halbwegs organisierten WG den Kühlschrank aufteilt oder sonstwie deutlich macht, wem welche Nahrungsmittel gehören, so wird das familienintern über Hirnwellen und wortlose Gespräche geklärt. Dass die Fleischsalat-Dose dem Häuptling des Stammes gehört und weder mit Blicken noch mit Händen geschändet werden darf, erkennt schließlich schon ein blinder Landstreicher bereits an der Art und Weise, wie das Laub im Vorgarten angeordnet ist.

Leider ist nun aber nicht jeder ein Landstreicher, Hirnwellenempfänger oder Hellseher. Und deshalb kann auch eine Messerspitze voll Feinkostsalat ein ganzes Wochenende mit Spiel, Spaß, Spannung und Streitgesprächen erfüllen.
Ein Glück, dass es für solche Fälle immer noch die Familie 2 gibt. Die verschwendet nämlich keinen wertvollen Kühlschrank-Platz mit Brotbelägen, sondern lagert dort nur Bier. Und das ist für jeden da. Nicht nur für den Häuptling.

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4 Kommentare
Veröffentlicht in Gedöns am 6. April 2010 um 20:04 Uhr

4 Kommentare zu „Feiertage (feat. incredible Fleischsalat-Skandal)“

  1. feronia sagt:

    Du hast den FLEISCHSALAT angetastet? Ich bin erschüttert. Schön ist auch die andere Varriante beim gemeinsamen Essen: “Ach, du wolltest auch Krabbensalat? Das konnte ich ja nicht wissen!”

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  2. till sagt:

    Die offene Packung gepulter Nordseekrabben hatten wir auch schonmal. Kam damals aber nur zu kurzer, lautstarker Auseinandersetzung ohne weitere Spätfolgen.

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  3. Heidi sagt:

    Hur-ra, wir lieben unsere Famile 2.

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Tweets über diesen Post

  1. Till sagt:

    Frisch im Blog: Feiertage (feat. incredible Fleischsalat-Skandal) http://norddeuts.ch/n

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