Wenn “die bessere Hälfte” mal wieder nur ein Teil der Schokoladenhülle des Frühstücks-Ü-Ei ist und Hasen mit einer Armee beängstigenden Ausmaßes versuchen, die Weltherrschaft an sich zu reissen, dann muss Ostern sein. Anders als von vielen bankrotten und unterbesuchten Kirchen polemisch postuliert, ist Ostern aber nicht ein Fest, das zu Ehren der actionreich inszenierten Auferstehung Jesu Christi gefeiert wird, sondern entstand im frühen 20. Jahrhundert in Europa als Antwort auf den amerikanischen Western. Während die Überteichler sich bereits an hochwertigen Spezialeffekten und mörderisch-realistischen Schießereien ergötzten, sangen die Menschen im alten Land noch immer samstagabends Volkslieder, schauten Gameshows mit blonden Lockenköpfen und feierten schlecht synchronisierte Stummfilme als Gipfel der Hochkultur.
In Gedenken an die Geburt des europäischen Ostern feiert feiern inzwischen die ganze 33% der Welt jedes Jahr das Osterfest. Dass der Osterhase mit dem Akt der Ostereiversteckung zum Sinnbild des Osterfestes mutierte, lässt sich auf einen der ersten und erfolgreichsten Ostern zurückführen – in dem versteckte nämlich ein blutrünstiger Löffelohrträger zahlreiche Handgranaten in den Gärten seiner Nachbarschaft, um sich seiner unliebsamen Mitmenschen zu entledigen. In einer für den österreichischen Markt angepassten, mimosenfreundlicheren Version wurde daraus der allseits bekannte hoppelnde Osterhase, der aus purer Menschenliebe zunächst monatelang im Keller Hühnereier bemalt, um sie dann vollkommen selbstlos für die kleinen Kinder zu verstecken.
Dieser Umbruch der Medienbranche und die damit verbundene Evolution des Menschen vom Jäger und Sammler zum Stubenhocker und Couchpotatoe wird seitdem mit dem jährlich wiederkehrenden Osterfest gebührend gefeiert. Zur Absicherung gegen amoklaufauslösende, krank- und lachhafte Körperverrenkungen von hemdsärmeligen Muttersöhnchen wurde es nach wenigen Jahren sogar vom internationalen Oster-Festtagskomitee durch ein discothekenweites Tanzverbot zum familiären Unspass-Fest aufgewertet.
Was Tanzschulen jedes Jahr erneut an den Rand ihrer kläglichen und von-mir-nie-verstandenen Existenz drängt, ist für die Vereinigung eierherstellender und emanzipierter Hühnerinnen eine Goldgrube von der Größe Luxemburgs. Der Topf voll Ei am Ende des Regenbogens holt zudem immer wieder tausende Zeitarbeits-Osterhasen von den Straßen und bringt arbeitslose Glasbläser nach dem Weinachtsfest zumindest für ein paar Tage erneut in Lohn und Brot.
Die einzige Zeit des Jahres, in der man die Worte “Eier” und “blasen” ohne züchtige Bemerkungen in einem Satz verwenden darf, führt Familien zusammen, wie es sonst nur das Weihnachtsfest zu leisten vermag. Und neben der plakafarbenherstellenden Industrie freut sich auch die Kriminalpolizei immer wieder auf das Fest der Eier: die durchschnittliche Aufklärungsquote von 75% bei Fällen von mutwillig versteckten Geschenken ist bis heute die mit Abstand beste unter den Kleindelikten ohne Personenschaden.
Dass es dabei Fest-bedingt jedes Jahr zu millionenfachen Küken-Morden durch brutal ausgeblasene Eier kommt, wurde hingegen bereits vor Jahren kommentarlos aus den Kriminalstatistiken gestrichen…
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