Katertäge

Die gefährlichsten Abende sind bekanntlich die, mit denen man nicht gerechnet hat. Und die, mit denen man rechnen musste. Die Kategorie “Okay, nur 1-2 Bier! Diesmal aber wirklich!” enthält da prädestinierte Kandidaten. Solche, bei denen man aus freiwilliger Selbstkontrolle schon extra wenig Bargeld mitnimmt und sich am nächsten Morgen darüber freut, sogar noch ein paar Scheine übrig behalten zu haben. Um dann einen Tag später im Onlinebanking zu sehen, dass man offensichtlich auch im Vollsuff noch fähig ist, vier Zahlen in der richtigen Reihenfolge in den Geldautomaten zu hacken.

Da geschieht’s einem ganz recht, dass man am Tag danach flach wie ne Flunder in der Koje liegen bleiben muss. Akute Kateritis, ausgelöst durch alkoholile spongiforme Zerphallopathie.

Man könnte meinen, dass sowas einem Kind von Untraurigkeit bekannt sein sollte. So ein Bier trinkt sich ja schliesslich nicht von allein – die anspruchsvolle Mund-Hirn-Hand-Motorik kann zwar nach vielen Jahren des explorativen Erlernens als instinktiales Verhalten angesehen werden, benötigt aber trotz allem noch eine Initalzündung durch das allmächtige Gehirn. Die erste Bestellung geschieht eben doch noch immer aus eigenem Antrieb und ohne Einflüsse von antriebssteigernden Drogen.
Die Folgenden aber leider nicht. Spätestens wenn das “Noch ein Pils bitte!” zum wortlosen Fingerzeig auf das leere Glas verkommt, sollte beim Alkoholfrei-Lobbyisten die Alarmsirene klingeln. Höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen. Denn selbige in diesem Zustand noch zu erwischen, fällt den Allermeisten ausserordentlich schwer. Auf einem schwankenden Schiff im Sturm kommt ja auch keiner auf die Idee, Weingläser zu stapeln.

Wurde der folgende Tag dann aufgrund vom vorabendlichen, olympischen Getränkekonsum mit Hilfe von Hektolitern an Kaffee, fettiger Tiefkühlpizza und jammerndem Katergeheule überlebt, sollte Tag 2 nach den Schnapswettkämpfen eigentlich flott, zackig und produktiv wie jeder andere auch werden.
Doch die Zeiten sind anscheinend vorbei, wie die betagte Kampframpensau einsehen muss. Das fortschreitende Alter zeigt sich nämlich nicht nur durch die Anzahl der Fältchen am Sack oder die dezimierten Geburtstags-Einträge auf den Pinnwänden einschlägiger Social Media-Portale, nein, auch der Körper kann dem heroischen Trinkgelage zunehmend weniger entgegensetzen. Ein Tag ausnüchtern ist nicht mehr genug. Inzwischen wird sogar der zweite Tag nach der sinnlosen Feierei mit Müdigkeit und gesteigerter Konzentrationsunfähigkeit bestraft. Kaffee und Energy Drinks verschleiern zwar die Symptome, leisten aber keine Ursachenbekämpfung. Wenn man sich also sowieso schon wie durch den Wolf gedreht fühlt, den Fußabtreter der lachenden Kopfschmerzen spielt und noch immer die Restausdünstungen der Theke vom Vorvorabend mit sich herumträgt, bleibt wie immer nur ein zünftiges Mittagessen, um den Tag noch zu retten.

Und dann sowas.

Paniertes Fischmehl an ranzigem Schweinefett mit zerkochtem Vorwochenreis und heizungwarmen Dosenmais

Wenn schon die Planung der Mensaspeisen fehlschlägt, dann muss ja zumindest auch die Zubereitung mit Elan an die Wand gefahren werden. Keine halben Sachen. “Der Hunger treibt’s rein!” – aber rein geschmacklich gibt eine ausgeblichene Cornflakesverpackung mit knusprigem Streusplit mehr her. Mit einer Prise Salz wäre das nicht nur schmackhafter, sondern noch dazu um einiges bekömmlicher. Und durch aktives Zellstoffrecycling tut man auch gleich noch der Umwelt etwas Gutes.

Man kann halt nicht immer Glück im Leben haben. Vielleicht erinnert sich das Hirn ja aber doch irgendwann mal an solch versaute Tage. Und bremst den Geist der Trinkernis, wenn man mal wieder beginnt, mehr Biere als Freunde zu haben…

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2 Kommentare
Veröffentlicht in Feierei, Gedöns am 12. März 2010 um 19:08 Uhr

2 Kommentare zu „Katertäge“

  1. kari sagt:

    bäh sieht ja schon wiederlich aus…. koch dir lieber selber was ;-)

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  2. till sagt:

    Würd ich ja..aber nur wegen 20 Minuten Mittagessen fahre ich nicht von der Unibibliothek ganz nach Hause. Da muss leider die Mensa herhalten ;)

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