Auch ein ausgesprochenes Hart-Ei hat unter seiner Titanschale einen butterweichen Lebkuchenkern. Verrückt. Wozu eigentlich?
Das Kapitel “Hannover” meines Lebens neigt sich in diesen Minuten dem Ende entgegen. Das WG-Zimmer ist geleert, die Lieblings-WG-Partnerin bereits gestern ausgezogen und die letzten Haare wurden soeben erfolgreich aus dem Abfluss gefischt. Vier Monate Praktikum, Arbeit, nerviges U-Bahn-Gependel mit noch viel nervigeren Pendel-Menschen gehen zuende. Aber auch vier Monate voller Spaß, interessanter Erlebnisse, Koks, Nutten und vor allem: vieler neuer Bekanntschaften, die ich nicht mehr missen möchte. Dabei ist das doch so gar nicht das, was ein Ingenieur in der Regel als Essenz aus seinem Praktikum ziehen soll. Sozialverträglichkeit bekommen wir doch nicht mal als Wahlpflichtfach angeboten. Die Zucht von Kellerkindern ohne Spaß am Feiern sollte das oberste Ziel einer jeden Uni sein. Die sind schließlich am produktivsten, heulen nicht rum, kommen nicht besoffen zur Arbeit und brechen sich nicht betrunken auf dem Weihnachtsmarkt den Knöchel.
Traumhaftes Humankapital!
Doch jeder ist bekanntlich seines eigen Glückes Schmied (Stahlbauern sind mir ja sowieso die Liebsten). Wichtiger als die Hard Skills sind bei mir nunmal die Soft Skills. Softe Haut, softe Bettwäsche, Softeis und Soft-Porn. Und die habe ich hier geschult. Wahrscheinlich etwas zu sehr, denn mit jeder neuen Bekanntschaft steigt der Abschiedsschmerz auf der nach oben offenen Softie-Boy-Skala.
Blick nach vorn, Schluss mit Porn! Das Leben geht weiter. Mit einer verschimmelten Wohnung, drei Wochen Hardcore-lernen vor der letzten Prüfung und einer Stadt, in der ich die werktäglichen Vollpfost-Pendler nicht mehr in der U-Bahn, sondern im Bus suchen muss.
Lebenslang Praktikant. Das wär was. Aber sowas bleibt wohl nur den Journalisten und BWLern vorbehalten. Schade eigentlich. Es war schon irgendwo spaßig hier.
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