Traurig, aber wahr: auch im Leben eines Musterpraktikanten gibt es Kalendereinträge, die wichtiger als jedes Praktikum sind. Zum Beispiel die letzte Prüfung des harten, steinigen und von Leid geprägten Studiums. Da muss man Prioritäten setzen. Entweder weiter in Saus und Braus bei einem (ausreichenden) Hungerlohn leben, in einer klasse WG wohnen und eine Stadt abfeiern, die einem erst jetzt so richtig ans Herz zu wachsen beginnt – oder wieder ab in den Schützengraben des Uni-Bunkers, der zwar im Sommer nen netten Strand hat, aber sonst eher die Attraktivität einer runzligen Kartoffel besitzt.
Karriereschweine entscheiden sich natürlich immer für die Kartoffel. Egal, wie alt und faltig sie ist.
Das hängt mit dem übergeordneten Lebensplan des gemeinen Karriereschweins zusammen. Schnell fertig werden, schnell nen Job finden, schnell wichtig sein. Nicht länger die Malerleiter oder die Leiter im Wetterfroschglas hinaufsteigen, sondern wagemutig zur Karriereleiter rüberspringen. Die Gründe dafür sind vielfältig – doch den meisten geht’s einfach nur ums Geld. Geld, um endlich mal nicht mehr nur von Aldi-Nudeln leben zu müssen. Geld, mit dem man H&M, Outlet-Stores und diesen Second Hand-Läden, in denen man pro Kilo bezahlt, endlich den Rücken zukehren kann. Und natürlich Geld, um die kilometerlange Nutten- und Koksrechnung zu bezahlen, die sich im Laufe des einsamen und kalten Studiums angesammelt hat.
Ganz anders als beim Karriereschwein verhält es sich da beim Schutzhelmbiber. Die Mimose unter den flennenden Taschentuchflatratekunden. Der steht nämlich auf Sicherheit: möglichst lang an der Uni bleiben (solange Mama und Papa zahlen), bestenfalls mit einer Doktorarbeit (die ihn gar nicht interessiert), um danach als Kelleringenieur bei Siemens bis zur Rente die immer gleiche Gehaltsstufe zu genießen. Safety first. Nie ohne Schutz am Schniedelwutz. Nur entwickelt sich bei einem Großteil der Schutzhelmbiber nach wenigen Jahren ein so enormer Bauch, dass der Schniedelwutz sowieso nicht mehr zum Einsatz kommt…
Hat der Biber erstmal seinen Damm gebaut und die zufällig darin einbetonierte Biberin geschwängert, geht es mit seinem Sozialleben dann vollends bergab: keine Parties, kein exzessiver Weißweinschorlengenuss und keine Club Med-Urlaube mehr…
…während das Karriereschwein weiter auf Ibiza abtanzt und im hohen Alter einen zweiten Frühling als braungebrannter, von jungen Blondinen umgarnter, millionenschwerer Gönner erlebt, dem neben einer mittelgroßen Inselgruppe auch diverse Flughäfen und Spielhöllen gehören.
So betrachtet ist ja eigentlich nach dem Traum auch irgendwie vor dem Traum…
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