Kein Mensch braucht Wasser!

Kein Mensch braucht dieses Wasser! Zumindest nicht in Form von Schnee, Eis, salzigem Gehwegbelag, rutschig-körnigem Dreck im Wohnungsflur oder als Bananenersatz im Treppenhaus. Dieses Wasser, das einen an der Ampel hinterrücks aus der Pfütze anspringt, um dann langsam in die Schuhe zu sickern und an der Hose hoch zu krabbeln, mit dem Ziel, die Herrschaft über den Unterleib an sich zu reißen. Eins von all diesen Wassern, mit denen man gewaschen ist. Wasser, das so lange kalt aus der Leitung kommt, bis der verkackte, Erster-Weltkriegs-alte Durchlauferhitzer sich aus dem Ohrensessel bequemt und gemächlich ein Teelicht unter der Wasserleitung entzündet. Genau dieses Wasser, das Berge von vereistem Schnee am Straßenrand auftürmt, so dass man das eigene Auto nur noch mit dem Presslufthammer oder der alten, russischen Nuklearwaffe freibekommt, die man noch im Keller liegen hat.

Ja, das Wasser, das plötzlich zu Regen wird, wenn man das Fenster öffnet – und sich wieder in Schnee wandelt, wenn man es schließt. Obwohl man gar nicht Petrus ist.

Und das Wasser, das zur Zeit meine Wand heruntersickert. Das ist mir natürlich von all diesen Wassern das liebste. Als erziehungsbedingt Weißraufasertapetenabhängiger bringen diese netten, bräunlichen Wasserflecken an der Wand nämlich einen ungewohnt frechen Farbklecks in meine karge Studentenbude.

Dekoratives Wandtattoo im 2010er Frühlingsbraun

Nett ist auch die Ecke der Tapete, an der Tine-Wittler-gleich das Wohnraumgestaltungselement “Abgelöste Raufistertapete Raufasertapete in schräger Hänglage” umgesetzt wurde. Ich komme mir vor wie in einem Szene-Loft, das den Wohnraum der Zukunft definiert. Einzig der Schimmel in den Ecken trübt das Bild: habe ich doch eigentlich eine 1-Zimmer-Wohnung, damit ich allein sein kann, wenn ich will.
Über das zukünftige Zusammenwohnen werde ich mit meinen neuen Mitbewohnern beim gemeinsamen Mittagessen diskutieren müssen. Und die Badezimmerzeiten festlegen. Ich brauche morgens meine halbe Stunde. Sonst gibt’s Ärger. Und wehe, die Jungs sind nicht stubenrein.

Der Schnee draußen könnte bei der Gelegenheit auch langsam mal weniger werden…die Winterreifen für mein Fahrrad habe ich doch gerade erst auf’s Auto gezogen – und die Schneeketten habe ich am Valentinstag verschenkt…

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2 Kommentare
Veröffentlicht in Gedöns, Kurz notiert am 22. Februar 2010 um 13:39 Uhr

Tweets über diesen Post

  1. Till Klages sagt:

    Frisch im Blog: Kein Mensch braucht Wasser! http://bit.ly/bIaEDy

Trackbacks

  1. [...] praktisches. Auch geringverdienende Menschen (wie Studenten) haben durch sie die Möglichkeit, ein meist dichtes Dach über dem Kopf und drei bis vier Wände um sich herum zu besitzen, ohne große Investitionen [...]

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