Ich bin Haptiker. Nicht nur bei Brüsten, T-Shirts und Autoinnenausstattungen, sondern bei so ziemlich jedem Produkt, das man im deutschen Einzelhandel käuflich erwerben kann. Ich packe Toilettenpapier vor dem Kauf an, schließe von der Cornflakes-Pappschachtel auf die Qualität ihres Inhalts und kaufe nur Unterlegscheiben, wenn ich sie vorher ausgiebig in den Händen halten konnte. Verrückt, aber so scheint das Hirn sich beim Körper die Rückversicherung für den Kauf holen zu wollen. Wie der Ehemann, der für jeden samstäglichen Bohrmaschinenkauf seiner Frau mindestens vier Paar Schuhe zuschanzen muss, um das Schenkungsgleichgewicht und den Weltfrieden aufrecht zu erhalten.
Anfassen und ausprobieren. Wie bei vielem im Leben der Masterplan für ein Erfolgserlebnis.
Doch nicht immer. Manchmal muss man sich auch zurückhalten können. Zum Beispiel teste ich Q-Tips nie live im Laden, sondern erst zuhause. Das erschwert zwar das nachträgliche Umtauschen, erspart aber wüste Kommentare und unverhoffte Ohrenwaschungen durch Mitmenschen. Ebenso ist der Test von Kondomen in der Drogerie nur im Einzelfall zu empfehlen.
Hardcore-Gartenbauern pflanzen im Baumarkt auch gern mal die Rosensamen in den mitgebrachten Blumentopf und verharren eine Wachstumssaison, um die Qualität des Produkts noch vor dem Kauf abschätzen zu können.
Fernab von gebrauchten Lollies im Kassenbereich gibt es aber einen Artikel, den ich nie ohne Verpackung anfassen, geschweige denn testen würde: Zahnbürsten.
Dieses heilige Kleinod der Mundhygiene muss jeder einfach mittels trial-and-error für sich selbst finden. Testen verboten. Oder etwa doch…?
Kundenorientierte Verkaufsflächenplanung ist ja ganz im Sinne einer modernen Ladengestaltung – aber welcher verrückte Innenausstatter hat sich bitteschön eine Aktionsfläche zur Verköstigung neuer Zahnbürstenköpfe in der Hygieneabteilung ausgedacht? Ob abzusehen war, dass kein Kunde auf das Angebot anspringt und darum keine Probleme mit Keimfortpflanzung, erhöhter Zahnfäule im Kundenstamm und Kariesklagen zu erwarten waren? Oder ist das einfach nur der nächste Schritt im viralen Marketing, bei dem dem Kunden der Virus leibhaftig einverleibt wird? Der Absatz von Mundspülungen und Kaugummis dürfte in dieser Drogerie auf jeden Fall im Aktionszeitraum sprunghaft ansteigen.
Nächste Woche sind dann übrigens Toilettenpapiertesttage. Die angelieferte Dixi-Toilette wird derzeit noch im Hinterhof mit dekorativen Motiv-Toilettenpapieren im Corporate Design bestückt…
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Tags: brüste, cornflakes, einzelhandel, hände, haptik, inhalt, körper, müsli, testen, toilettenpapier, unterlegscheibe, verpackung, zahnbürste

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