Bestell eins, bekomm acht, zahl vier

Aus der Reihe “Abende, bei denen das Ende von Beginn an nicht absehbar war”.

Toxic. Vor allem die Knicklichter.

Mein Praktikumsplatzgeber ist ja vorbildlich, was die Betreuung der billigen Arbeitskräfte angeht. Nicht nur, dass wir vergünstigt in der 5-Sterne-Kantine an die königlichsten Speisen aus Dosengemüse und TK-Pangasius herankommen, nein, allmonatlich wird auch ein Stammtisch für die Mindestlohnempfänger organisiert, der betreutes Trinken unter Aufsicht ermöglicht. Auf eigene Kosten. Also..des Praktikanten eigene Kosten. Wer viel trinkt, zahlt auch viel. Wer klug trinkt, zahlt wenig, trinkt aber viel. Also genau das richtige für angehende Diplom-Biervernichter, Bachelor Cocktailtrinker und sogar vereinzelte Magister Schnapstrinker.

Das schöne an so einem Abend: Man lernt einen Haufen neuer Leute kennen, die man im täglichen Arbeitsablauf nie getroffen hätte – so ein Werk ist schließlich groß und als kapuzenjackentragender Elektroingenieurspraktikant wird man in der Hemd-und-Krawatte-tragenden Hauptverwaltung sogar vom Pförtner bereits eindrucksvoll ignoriert.
Das schlimme an so einem Abend: Man lernt einen Haufen neuer Leute kennen, die teilweise nicht nur nett, sondern auch recht trinkfest sind. Wenn eine Bar schlecht kalkuliert ist und in der Happy Hour draufzahlt, dann wäre so ein Stammtisch ihr sicherer Ruin. War sie diesmal aber nicht. So war dieser Abend dann nur der ganz persönliche Ruin des Einzelnen. Finanziell, körperlich – oder auch beides.

Da man aber ja noch jung ist, ein wenig Geld verdient und die große, fremde Stadt auch bei Nacht erkunden will, lässt man sich vom offiziellen Ende einer solchen Veranstaltung nicht abschrecken. Zielsicher steuert man in einer Kleingruppe von Alkoholikern einer fröhlichen Runde die selbsternannte After-Party-Party an. Ab Richtung Bierbörse. Nicht, weil das eine so besonders tolle Lokalität wäre – nein, es war einfach der einzige Laden, der donnerstagnachts noch genug Platz zur Entfaltung der charismatischen Charaktere unseres gebildeten Geistes bot.

Womit aber niemand rechnen konnte (und das in zweierlei Hinsicht): Das in einem Laden, der sich kapitalistische Verhaltensweisen quasi bereits in den Namen geschrieben hat, die Zufriedenheit der Kundschaft (gemessen in Promille) über dem Gewinn steht. Normalerweise ist das ja eher andersrum. Die Kundenzufriedenheit steht weiter unten, der Gewinn darüber und ganz oben thront der Chef und peitscht allesamt mit seiner sechszüngigen Peitsche aus.
“Zahl eins, bekomm zwei” – eine Einladung an alle BWLer, die mal großzügig ne Runde schmeißen wollen. Aber eine Ausladung für alle Ingenieure, die einfach nur trinken wollen. Und für alle, die einfach nicht kapieren, was Sache ist. Denn auch nach der dritten Runde fragte ich mich fragten sich einzelne, warum die mäßig hübsche Barbedienstete denn ständig zu den bestellten vier Bier noch weitere vier hinzustellte. Zunächst lag die Vermutung nahe, dass es sich um einen Pärchen-Abend handeln könnte. Aber die überdurchschnittlich hohe Zahl an betrunkenen Mittelschichtsjünglingen und die unterdurchschnittliche Schönheit der Frauenwelt machte wenig Mut, dass man sich hier zu einem Pärchen finden könnte. Und wenn, dann wäre das so ein Pärchen gewesen, bei dem er mit seinen zwölf Drinks den Tisch einölt, während sie laut keifend imaginäre Freundinnen von ihrer neusten Eroberung fernhält. Nicht wirklich schöne Vorstellung.

Das ist natürlich alles nur Apfelsaft.

Also: Vollgas. Die Genschleuder muss ja nicht jeden Tag ausgeworfen werden.
Nachdem sich die ersten, klügeren Kollegen aus dem Etablissement verabschiedet hatten, wurde noch kräftig zwischen 16jährigen Barbiepuppen und weißen 50 Cents abgefeiert. Was nicht zuletzt aufgrund der getrunkenen Getränke einigermaßen erträglich war.
Dass dann aber der DJ morgens um halb fünf bereits die Lichter andreht, war nicht wirklich nett. So fühlte man sich genötigt, noch vor der Arbeit schnell nach Hause zu fahren, Powernapping zu betreiben und zu duschen – um dann eine Stunde später den Weg zur Arbeit anzutreten. Und sich dem Kampf mit dem Arbeitstag zu stellen. Der nicht feierlich war.
Aber das musste er auch nicht sein. Gefeiert wurde ja die Stunden davor genug…

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2 Kommentare
Veröffentlicht in Feierei, Gedöns am 2. Februar 2010 um 07:40 Uhr

2 Kommentare zu „Bestell eins, bekomm acht, zahl vier“

  1. Sensei sagt:

    Lol, netter Artikel :D

    Aber du musst dir nur merken, Donnerstags ist Vollmondparty im Dax das heißt alle offenen Getränke 2 für 1.

    Singelparty ist immer Mittwochst und wenn du kein Bock auf DAX hast gibt es Donnerstags auch im Zaza noch 5 for 5, was auch (ja ich bin BWLler) eine sehr lohnentswerte Investition ist

  2. till sagt:

    Ach Mist. Jetzt wo du’s sagst: die Single-Party wollte ich ja auch noch rocken. Hab ich in der ganzen Feierei der letzten Praktikumswochen total verpennt… :(

    Zaza? Hab ich noch garnix von gehört. Behalt ich mal im Hinterkopf, falls ich mal wieder da bin ;)

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