Einkaufen. Der Schwiegermutterbesuch unter den Lieblingstätigkeiten eines selbstversorgenden Mannes. Nicht, dass man dabei nicht auch Spaß haben könnte. Aber der hält sich nunmal meist eher in Grenzen. Samstagvormittags zwischen kreischenden Kindern in Bergen von vergammelten Bananen nach einer letzten brauchbaren Frucht zu wühlen ist eben nicht jedermanns Sache.
Klar, auch vergammelte Bananen wollen verkauft werden. Ist schließlich langweilig in so ner Bananenkiste. Aber nicht jeder hat eben einen Hausaffen, der sich um so ein Festmahl reißen würde.
Und ebenfalls klar: auch Eltern müssen mal mit ihren Kindern einkaufen fahren, um zu überleben. Wobei man sich bei manchen Kinderwagenbesetzern fragt, warum man denen eigentlich noch das Essen vorkauen soll. Schwerverbrecher bekommen im Gefängnis ja auch kein Drei-Gänge-Menü mit dem Silberlöffel in den Mund geschoben. Warum also nem kreischenden Baby jeden Wunsch erfüllen, nur damit es ruhig ist? Ein Lappen mit Choloroform tut’s doch eigentlich auch.
Aber nicht jeder kann eben so eine erstklassige Erziehung und Kindheit wie man selbst genießen. Da wird dann auch gern mal das Kind unter Toilettenpapier, Müslipackungen und Fertiggerichten in Dosen begraben. Training für später. Irgendwann schaut sich schließlich jeder mal seinen Einkauf von unten an. Darauf sollte der Nachwuchs rechtzeitig vorbereitet werden.
Hat man sich dann unter Einsatz der eigens dafür mitgebrachten Hochsee-Sportangel eine halbwegs annehmbare Banane aus den Grabbelkisten gefischt und drei Kleinkinder vor dem sicheren Erstickungstod durch Maggi-Fix-Tüten-verschlucken bewahrt, steht man vor der nächsten Bevölkerungsschicht, die einem das Blut in den Adern aufkochen lässt: Die grauen Lockenwicklerköniginnen und Resthaarüberglatzekämmer. Nicht jeder geht nämlich tatsächlich aus überlebenstaktischen Gründen in einen Supermarkt. Die älteren Semester scheinen eine Art inneren Kontaktdrang befriedigen zu müssen. Um bloß nicht von unbekannten Mitmenschen übersehen zu werden, belagern sie komplette Regalreihen mit dem eigenen Hackenporsche und herrenlosen Einkaufswagen. Dass dabei nicht nur die Designerabteilungen der Erwachsenenbinden zugeparkt werden, sondern auch die für gesundheitsbewusste Singles absolut notwendige Obst & Gemüse-Abteilung, scheint ihnen mehr als nur egal zu sein. Hauptsache, der erste Kontakt wird erzwungen – wahlweise, weil man sie freundlich bittet, aus dem Weg zu gehen..oder, indem man die Wegelagerer weniger sanft mit dem Einkaufswagen aus der Bahn pflügt. Kontakt ist Kontakt. Und wenn sich schon die eigenen Enkel nicht um einen kümmern, muss das eben jemand anders machen.
Kommt man schlussendlich vollkommen entstressbefreit und mit den Armen voller unnützer Wurstbeläge, indischen Gewürzen und innovativen Fitness-Schokoladen an der Kasse an, bringt einen die in Unfreundlichkeit geschulte und mit Diplom geehrte Kassiererin durch Weltbestleistungen in Langsamkeit, Unfähigkeit und unprofessionellem Umgang mit dem Arbeitsgerät endgültig zur Weißglut. Eine ganze Staude Bananen mit der Kassenwaage abzuwiegen ist für eine ehemalige Herrenrasierertesterin natürlich kein Problem. Aber eine einzelne Banane scheint aufgrund ihres filigranen, zerstörungsanfälligen Aufbaus und dem anscheinend unwiegbar geringem Gewicht ein unüberwindbares Problem darzustellen.
Nach der mit einem Augenrollen quittierten Zahlung des Einkaufs mittels EC-Karte verlässt man dann den Ort der sozialen Vielfältigkeit, um zuhause festzustellen, dass man mal wieder genau das vergessen hat, was man ursprünglich eigentlich nur einkaufen wollte: Das Küchenpapier.
Manchmal wäre so ein Einkaufszettel eben doch nicht ganz verkehrt…
|
|
|
Tags: einkaufen, ersticken, kinder, küchenpapier, küchenrolle, mitmenschen, rentner, supermarkt
