Gleitmitteltag

Eine wissenschaftliche Studie der MacGyver-Universtität in Phoenix hat herausgefunden, dass sich die Motivation von 90% aller Angestellten zu Beginn der Woche auf einem historischen Tief befindet, um dann im Laufe der Woche anzusteigen und am Freitag erneut abzuflachen. Man nennt das auch die “Hupenfels’sche Brustkurve”.

Motivationskurve eines durchschnittlichen deutschen Angestellten

Dieses Problem ist bereits seit mehreren Jahrzehnten bekannt. Erste Aufzeichnungen datieren auf den Beginn der Industrialisierung, als mit dem Aufkommen von Spezialisierung und Arbeitsteilung auch die Zahl der Bürojobs signifikant anstieg. Schon beim alten Henry Ford (der neben dem Fließband zur Autoherstellung übrigens auch das weniger fließfähige Zähband erfand, welches sich aber nie durchsetzen konnte) gab es das Phänomen, dass zu Wochenbeginn der Ausschuss in der Produktion exorbitant hoch war, während der Energieverbrauch in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen enorm anstieg. Zurückzuführen war dies auf den erhöhten Gebrauch der Kaffeemaschinen zur Aktivierung der Motivationsressourcen der Mitarbeiter.

Ein Sachverhalt, der eine ganze Volkswirtschaft in den Ruin reißen kann. Die einst blühende Wirtschaft des wunderschönen Stadtstaates Bremen stürzte wie ein Kartenhaus in sich zusammen, als herauskam, dass der Bürgermeister und seine Schergen nur von dienstags bis freitags arbeiteten, während montags lediglich ein Anrufbeantworter mit vorgefertigten Standardsprüchen die Arbeit verrichtete. Erst nach zwei Legislaturperioden kam dies ans Licht, als ein Reporter des Weser Kurier aufgrund eines falschen Eintrags in seinem Terminkalender plötzlich montagmittags an der Tür des Bremer Senats klopfte, aber keinen Einlass erhielt. Noch heute leidet die Bremer Wirtschaft unter den Nachwirkungen der damals liegengebliebenen Arbeit.

Natürlich gab es in der Vergangenheit bereits eine Vielzahl von Ansätzen, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Der heimliche Einsatz von Espresso statt Kaffee in den Kaffeedosen der Republik an Montagen war eine solche Idee – führte aber leider zu wildgewordenen Praktikanten, die noch nicht auf den konstanten Koffeinfluss konditioniert waren und auf diese sprunghafte Erhöhung der Zufuhr mit im-Quadrat-springen und gefährlichen Bürostuhl-Wettfahrten reagierten.
Einige findige Arbeitgeber ließen nach einer Studie der britischen University of Edingburgh Kalender drucken, in denen die Wochentage um einen Tag verschoben waren. Die Woche begann nun mit einem Dienstag und endete nicht am Freitag (1) sondern Freitag (2). Samstag und Sonntag war Wochenende. Der Montag wurde nur in Schaltjahren am 29. Februar eingefügt.
Findige Peruaner kamen auf die Idee, die Arbeit ihrer Angestellten durch die Nutzung außerordentlich talentierter Affen zu unterstützen. Jedoch machte der Mehrverbrauch an frühreifen Bananen die erhofften Kostenvorteile durch Effizienzsteigerungen zunichte, so dass man wieder auf die Nutzung normaler Affen umsteigen musste.
Die Volksrepublik Bayern vergab für einige Monate Verzehrgutscheine, welche Arbeitnehmer, die montags ihr Soll übertrafen, mit einer extra-Weißwurscht sowie einer gratis Maß Bier belohnten. Da der typische Bayerische Angestellte aber sowieso nicht unter zehn Maß Bier zur Arbeit geht, fand dieses Angebot wegen zu geringer Wertigkeit keinen Anklang.
Und zu guter Letzt erließ das russische Innenministerium ein Gesetz, das montags die Einspeisung von Wodka in das Trinkwassernetz erlaubte. Die hohe Qualität des feinen Alkohols sprach sich aber schnell herum und man fand bald heraus, dass sich die Flüssigkeit auch zum befeuern landesüblicher PKW eignete. Nach wenigen Wochen musste man feststellen, dass zwar der Individualverkehr an Montagen stark zunahm, dieser aber in aller Regel nicht Richtung Arbeitsplatz führte, sondern für einen Ausflug ins Blaue genutzt wurde. Die Hektoliter an zuvor für diese Aktion bestelltem Wodka wurden dann zum Enteisen des Roten Platz zurückgestellt, wofür sie noch heute als eiserne Reserve dienen.

Da all diese Versuche aber irgendwie im Chaos endeten, entschied man sich, alles beim Alten zu lassen und einfach damit zu leben, dass montags eben nicht ganz so viel aus den Arbeitnehmern herauszuholen ist.
Was aber tun, wenn ein Arbeitnehmer partout am Montag keine Möglichkeit findet, sich für seine Arbeit zu erwärmen? Er nimmt sich einen Gleittag!
So hängt er seinen Kollegen nicht am Hemdkragen und nervt durch geistige Abwesenheit, sondern kann seine Arbeitskraft durch motivierte Überstunden an anderen Wochentagen effektiv und voller Freude in den Arbeitsprozess einbringen.

Überhaupt ist die Erfindung der Gleitzeitregelung so ziemlich das Beste, was der Menschheit seit der Erfindung des USB-Hodenwärmers passiert ist:
Man kann im Prinzip kommen und gehen wann man will – und nie weiß man genau, ob der Kollege am anderen Ende des Hauses überhaupt auf der Arbeit ist, oder sich bereits zuhause die Haare kraulen lässt. Zudem kommt es an der Stechuhr jeden Tag gegen Feierabend zum angeregten Austausch unter Kollegen, die sich sonst mit dem Arsch nicht anschauen würden – nur um noch ein paar Minuten Arbeitszeit rauszuschlagen, bevor man sich unter den mahnenden Blicken des Vorgesetzten dann letztendlich doch irgendwann Ausstempeln muss.

Der Begriff “Gleitzeit” geht übrigens auf Prof. Dr. Hartmut Weit Gleit zurück, der auch federführend an der Entwicklung der Gleitsichtgläser für Klobrillen verantwortlich war. Aber dazu dann mehr in einem eigenen Artikel.

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Veröffentlicht in Gedöns am 25. Januar 2010 um 19:03 Uhr

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