Als Praktikant fühlt man sich ja manchmal dann doch schon wie ein fertiger Ingenieur. Man erhält schließlich eigene Arbeitsaufträge, die man selbstständig und in Eigenregie bearbeiten darf, um sie dann im Anschluss an die Fertigstellung entweder kugelförmig Richtung Papierkorb zu befördern oder im Archiv bis zum jüngsten Gericht zu lagern und anschließend zu vergessen.
Wenn man sich dann eh schon als vollwertige Arbeitskraft sieht, kann man sich ja auch mal wie eine vollwertige Arbeitskraft benehmen – und nach Feierabend das Tageswerk mit einem ordentlichen Bierchen begießen. Wahlweise als Belohnung für die geschaffte Arbeit, oder um die eigene Unproduktivität zu vergessen.
So geschehen Dienstag. Man lebt ja nur siebenmal. Also muss auch die Zeit unter der Woche genutzt werden.
In Hannover gibt es da eine Kneipe, die über die Mauer hinweg bekannt zu sein scheint: Das Plümecke.
Plümecke. Eine Kneipe, die gefühlt so alt ist, dass in ihr locker schon die Höhlenmenschen nach Feierabend ein Bierchen gezischt haben könnten. So alt, dass deren Website noch ausgedruckt und in Sütterlin an der Wand hängt. So alt, dass die Bestellung nicht mit irgendeinem technischen Computerkassengedöns abgerechnet wird, sondern mit dem guten alten Bierdeckel.
Zum Glück ist aber nur die Kneipe so alt – und nicht das Personal. Platz für eine Bedienung mit Rollator wäre zwischen den Tischen nämlich nicht gewesen. Dafür Platz für eine Küche, in der “die beste Currywurst der Stadt” gemacht wird. So munkelt man. Unter den Gästen fand ich an dem Abend aber leider keinen umfassend raumfüllenden Kunden, dem ich eine belastbare Bewertung zugemutet hätte. Schließlich muss man erstmal alle Currywürste der Stadt essen, um die beste bestimmen zu können.
Berühmt-berüchtigt ist das Plümecke auch für seinen rauen Umgangston. Man setzt sich nicht hin, wo man will – sondern die dralle Thekendame platziert einen dort, wo es ihr passt. Schicke Kerle holt sie sich sicherlich direkt an die Theke. Uns platzierte sie am Kindertisch vor der Toilette.
Das klingt mieser, als es ist. Immerhin hatten wir zum Schluss jeden Gast des Lokals mindestens zweimal gesehen. Das konnte an dem Abend nicht jeder von sich behaupten. Nächstes mal empfiehlt sich dann aber doch die Mitnahme eines alten Hutes, um den gelegentlich auf den Tisch geworfenen Groschen ein Auffangbecken zu bieten.
Weiterer Vorteil eines abgelegenen Platzes am Rande der Kneipengesellschaft: Man kann sich jeden Gast genau anschauen, ohne dabei selbst beobachtet zu werden. Wenn man nicht gerade mit dem Rücken zum Raum sitzt. So wie ich. Aber die Toilettentür und die Tür zur Küche sind auch sehr feine Wandmalereien. Ich habe noch nie so viele laufende Currywürste an einem Abend gesehen, die derart souverän von Biene Maja (der Köchin im schwarz-gelben Outfit) Richtung Tisch bugsiert wurden.
Geraucht werden darf im Plümecke übrigens nicht. Wenn ich mich recht erinnere. Aber darauf darf man nicht zu sehr vertrauen. Denn ich erinnere mich nicht mal an die Geburtstage meiner Familie…
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