Damenmodengebäude

Sonntagnachmittag. Einer dieser Sonntagnachmittage, die man getrost aus den Geschichtsbüchern streichen kann. So, wie man den Samstagabend zuvor bereits erfolgreich aus dem Gedächtnis gestrichen hat. Mit ner Flasche Wein. Man(n) muss auch mal dekadent trinken. Immer nur Bier ist ja langweilig und macht dick. Dann schon lieber dem Herzrhythmus auf die Sprünge helfen und die hämodynamischen Effekte nutzen: Ein Glas Wein entspannt bekanntlich das Herz. Nur wie groß das Glas sein soll, hat niemand gesagt.

Wasser mit Geschmack

Also auf geht’s. Raus mit dem Plastikkorken aus der Glasplastikflasche und rein mit dem roten Naß ins Trinkgefäß. Lecker – bereits nach dem dritten Glas. Ein guter Wein braucht eben seine Zeit. Den wahrhaft königlich-lieblichen Geschmack entfaltet er dann sowieso erst nach einigen Stunden in der Magengegend. Ein Traum.
Und da voll besoffen allein ja rausgeschmissenes Geld ist, muss man den Schwung der Rebe nutzen und seine Mitmenschen am Trinkspaß teilhaben lassen. Zum Beispiel in einer Disco.

Wenn man sowas überhaupt Disco nennen darf. In froher Erwartung einer Modeschau der knappsten Damenbeinbekleidung, ließ ich mich zu einem Besuch des “Rockhouse” hinreißen. Der Name ist Programm: Es handelt sich dabei tatsächlich um ein Haus! Mit Boden, Wänden, Dach, Theken und schwarz gekleideten Todesengeln. Solche, wie sie vor 10 Jahren bei Buffy durch’s Bild schwebten. Allerdings haben die untoten Schweine aufgerüstet. Der moderne Lord der Finsternis tackert dem gemeinen Sterblichen nämlich nicht mehr schnöde mit seinen Beißerchen den Hals kaputt, sondern bedient sich dabei innovativster Hilfsmittel.

Fräulein Rock-Vampir-Gruftie setzt dabei auf Verführung durch Strumpfhose. Beim Versuch, sich der vermeindlichen Muse zu nähern, wirft sie ihr grobmaschiges Hosenfangnetz aus und wickelt den gierigen Blutspender ein, um ihn zunächst beiseite zu legen und dann am Ende des Abends mit einem kurzen aber heftigen Muskelbruch aus der weltlichen Welt zu zerren.

Der heilige Herr Horror-Hormonfürst setzt da weniger auf langwierige Fangmaßnahmen mit anschließender Zerlegung, sondern versucht, sein Opfer an Ort und Stelle mitten auf der Tanzfläche mit einem geübten Kopfschwung außer Gefecht zu setzen. Rund 120.000 Tentakel mit einer durchschnittlichen Länge von 1200 Millimetern dienen dabei als Fangarme und schlingen sich um den Hals der Auserwählten. Mit einem gezielten Ruck kann somit der Kopf abgetrennt und die Zapfanlage angeschlossen werden.
Andere Schwarzträger entscheiden sich auch für technische Unterstützung. Ein an eine futuristische Gasmaske erinnernder Mundschutz bedeckt das halbe Gesicht und verhindert die Ausdünstung eines tödlichen Gases aus dem Rachenraum. Diese Waffe zeichnet sich besonders durch ihre ausgeprägte Massenvernichtungsfähigkeit aus – in einem Umkreis von mehreren Metern um den Attentäter kommt es mit 80%iger Sicherheit zu Übergebungen oder Bewußtlosigkeit. Gleichzeitig dient die Maske als schmückendes Accessoire, das den Anblick des Trägers weniger schmerzhaft gestaltet.

“Bier auf Wein, das muss sein!” Also: den Abend trotz gewöhnungsbedürftigem Klientel mit dem Genuss mehrerer Gerstenkaltschorlen weiter Richtung Höhepunkt treiben. Bis morgens um vier. Sowas geht nur mit Bier. Hier bei mir.
Die gelegentliche Einspielung gesellschaftsfähiger Musik steigert dabei intervallartig den Abtanzfaktor und führt zu überdurchschnittlichem Spaß verbunden mit enormen Durchhaltevermögen.

Zerrockt und leergefeiert fragt man sich dann am nächsten Morgen, ob das alles nur ein wunderschöner Traum war, oder ob der Stadtteilfriedhof lediglich Freigang hatte. Der wohlige Duft nach Räucherstäbchen mit Aschegeschmack an der Kleidung und der grünlich-schwummrige Stempel am Arm hilft den Erinnerungen dann aber auf die Sprünge und belegt zusammen mit dem Fund dieses Gutscheins in der Hose den Besuch des Etablissements am Vorabend.

Ein Rockhouse Dolar (sic!)

Blöd nur, wenn man erst am Morgen danach schnallt, dass es sich bei dem Zettel um einen Getränkegutschein handelt – und man sich am Abend ja noch gefragt hat, warum man 3 Euro Eintritt zahlt, auf der vermeintlichen Eintrittskarte aber was von 2,50 steht…
Nach erfolgreicher Dekontamination und einem halben Dutzend Kaffee kann der rühmliche Sonntag dann beginnen…gegen 17 Uhr…also bereits nach Feierabend…

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3 Kommentare
Veröffentlicht in Feierei, Gedöns am 17. Januar 2010 um 18:31 Uhr

3 Kommentare zu „Damenmodengebäude“

  1. kari sagt:

    Prost :)

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Tweets über diesen Post

  1. Till Klages sagt:

    Frisch im Blog: Damenmodengebäude http://bit.ly/7kyCQT

  2. Damenmodengebäude – norddeutsch. http://bit.ly/8Bv8cn

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