Dinner for twenty-two

“The same procedure as last year, Miss Saufindenkopp?” – “The same procedure as every year, Till!”

Wie jedes Jahr sollte auch dieses mal das neue Jahr knackenvoll und im Kreise der liebsten Freunde begrüßt werden. Wie jedes Jahr, so kam auch dieses Jahr Silvester urplötzlich und ohne Vorwarnung. Eine recht späte Terminierung des Neujahrstages sorgte auch dieses Jahr dafür, dass sämtliche Festivitätsplanungen auf den letzten Drücker und zwei Tage vor Silvester stattfinden mussten. Aber unter Stress arbeitet der Mensch ja bekanntlich besonders effektiv. Bei dem einen zeigt sich das durch gesteigerte Atemfrequenz und Schweißperlen auf der Stirn, beim anderen durch ausgeprägte Lethargie in Verbindung mit Arbeitsabweisung und gesteigerter Langsamkeit.

Die elende Feierei sollte auch dieses Jahr wieder unter den wachsamen Augen unseres offiziellen Selbsthilfegruppenleiters stattfinden:

Lord wooden Member

Die Dekadenz der Holzklasse kannte dabei keine Grenzen. Einmal im Jahr darf ein Fest auch mal was kosten. Einmal im Jahr muss man sich auch mal ungestraft in Eierschale schmeißen und den Jahresausklang mit einem opulenten Mahl feiern. Letztes Jahr waren das Hot Dogs und Burger, dieses Jahr feinste Fleische an grattinierten Erdäpfeln. Traumhaft. Wer seinen Fettstagsbauch noch nicht genug aufgebläht hatte, konnte das hier nachholen und seine Hosenweite locker um zwei Nummern nach oben schrauben.
Damit keiner der edlen Gäste bereits auf dem Weg zum Ballsaal den Boden unter den Füßen verlor, entschied sich das Festtagskomitee für eine innovative Form der Gehwegwintersicherung, die bisher nur zu Studienzwecken in der sibirischen Tundra zum Einsatz kam: Zwecks besserer Bodenhaftung streute man Zucker statt Salz. Das unerwartet brauchbare Ergebnis: Draußen war es nach wie vor glatt wie Sau, dafür klebte man im Bankettsaal am Fußboden wie die Fliegen an der Windschutzscheibe. Und wem das Mousse au Chocolat als Nachtisch nicht schon süß genug war, der konnte lässig eine Zunge voll Bodenzucker nachlegen.

Stilecht wie es sich für eine Jahresendzeit-Fete gehört, wurde gemeinschaftlich der wohl meistgesendete deutsche Kurzfilm geschaut – und spontan ein junges Remake ins Leben gerufen. Das Cover scheiterte dann aber an der Unfähigkeit der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, ‘Dinner for One’ on Demand auf Zuruf von uns abzuspielen. Schade eigentlich. Tierschutzbund und Notarzt waren bereits informiert.

Nach hemmungsloser Völlerei Böllerei griff der Pöbel dann zum Neujahrsgebäck.

Bremer Berliner

Drei von zweiundzwanzig fetttriefenden Zuckerballen natürlich gefüllt mit gaumenschmeichelndem Senf, um die Deppen des neuen Jahrzehnts zu küren – von denen jedoch nur einer genug Senfeier in der Hose hatte, seinen Glücksgriff kund zu tun. Die anderen beiden mögen auf ewig im Berliner-Feuer fegen.

Am Anfang des Jahres stehen nun ein Totalausfall, zwei Senfliebhaber, ein Depp, knapp dreißig Volltrunkene und keine Verletzten. Ein guter Start ins Jahr. Aus vielerlei Hinsicht…

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Veröffentlicht in Feierei, Gedöns am 2. Januar 2010 um 11:15 Uhr

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