2 Kilo schwerer, ein Dutzend Hassattacken reicher und drölfzig Hirnzellen ärmer ist sie nun endlich überlebt: die dickste Zeit des Jahres. Das Fest der Gefresse-Feste. Dieses Jahr sogar ganz klassisch mit Schnee. Der eigentlich Matsch war. Aber den sich jeder als Schnee schöngeredet hat. Weil das ja so romantisch ist. Weiße Weihnacht. Hach, wenn ich nur daran denke geht mir schon einer ab. Bin kurz davor, einen Blumenladen zu überfallen und ganz Bremen mit roten Rosen zu erdrosseln. Wie schön das doch wäre.
Das Schlimme an Weihnachten ist ja, dass man es sich auch mit viel Alkohol nicht schönsaufen kann. Ich spreche da aus Erfahrung. Ich habe es auch dieses Jahr wieder versucht. Das Familienmittagessen ist Pflichtprogramm. Das steht fester in der Brandung als ein Leuchtturm auf ner Hallig. Da geht kein Weg dran vorbei. Der Sumoringer unter den Familienzusammenkünften.
Genauso wie die Bescherung. Da knüppelt man sich am Vorabend heilig die Birne voll und ist dann trotzdem um 18 Uhr des Folgetages wieder so nüchtern, dass man nicht nur die eigene Familie wiedererkennt, sondern sogar noch vom Nachmittagskaffee so aufgepumpt ist, dass man es nicht mal schafft, stilecht am Gabentisch einzupennen. Wer auch immer dieses Weihnachtsfest entwickelt, geplant und umgesetzt hat, war ein Fuchs. Die Zeiteinteilung ist meisterlich und nimmt jedem Hobbyalkoholiker den Wind aus den Segeln. Und als ob das nicht schon genug wäre, ist der anbetungswürdige König des Festes auch noch ein dicker Kerl mit Vollbart und roter Nase. Ein Stereotyp, mit dem sich 75% der Deutschen identifizieren können, da sie nachweislich entweder ungepflegt, übergewichtig oder alkoholisch sind.
Schlimm an Weihnachten ist aber auch dieser unausweichliche Fresszwang. Morgens, mittags, abends. Drei volle Mahlzeiten am Tag – das hält keine Magenschleimhaut ohne bleibende Schäden aus. Zwischendurch noch Kaffee, Kuchen und Kekse – und der große Schnuckerteller mit genug Schokolade, um eine von Madame Tussauds Wachsfiguren in Originalgröße nachzubauen. Darunter so leckere Kreationen wie “Eierlikör im Zartbittermantel” oder die one and only “Mon Cheri”. Mal im Ernst. Wenn ich irgendwo was von “Mon Cheri” hören will, dann höchstens, wenn mir eine heiße Französin das halbnackt im Bett ins Ohr säuselt. Aber nicht in Form von Schokoquadern, die mit widerlichem Kirschlikör gefüllt die Hüftregion unsicher machen. Und dann wird man nicht mal richtig betrunken von dem Quatsch. Also ehrlich. Das Kirschwasser kann man sich bei mir ruhig sparen. Das Geld sollte man lieber sinnvoll investieren. In Oropax zum Beispiel. Dann würden einige Familienmitglieder nicht morgens um kurz nach fünf in meinem Zimmer stehen, nur weil ich gerade nach Hause gekommen bin. Unverschämt, sowas. Und dann nichtmal bereit sein, mit mir auf eine Flasche Wasser ein Ründchen zu schnacken. Dabei hätte ich doch so viel zu erzählen gehabt…
…von meiner Suche nach dieser Frau zum Beispiel:
…oder auch von meinen Überlegungen zum Sozialverhalten des pikanten Pavians:
Je höher der Affe klettert, desto mehr sieht man von seinem Arsch.
Was ist da dran? Ist das auf den Menschen übertragbar? Hat die Blondine nen Freund? Und warum liegt hier eigentlich Stroh?
Fragen über Fragen. Aber mit mir will ja keiner reden. Morgens um fünf. Nach Kneipe stinkend. Mit Bowle auf dem Shirt. Halbnackt im Zimmer stehend. Nach Wasser suchend. Vor mich hin stammelnd.
Irgendwie aber auch verständlich. So mal nüchtern und mit Abstand betrachtet.
Ich hätte wahrscheinlich eh am nächsten Morgen nichts mehr von dem Gespräch gewusst. Da kann man sich die Energie auch sparen und sie am nächsten Tag in gute Laune verballern. Die soll man zum Fest ja auch haben. Zumindest nach außen hin.
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