Weihnachten. Das Fest der Nächstenliebe. Das Fest der Familie. Das Fest der hemmungslosen Völlerei, gefolgt von hemmungslos haltlosen Vorsätzen, im neuen Jahr ja all den krossen Winterspeck sofort wieder von den Hüften schieben zu wollen. Bei einigen klappt’s. Bei den meisten verhält sich das ganze aber eher wie ein Baumkuchen und legt sich Schicht für Schicht jedes Jahr auf die Sünden des Vorjahres.
Aber auch: Weihnachten, das Fest der Familie 2. Denn jeder hat bekanntlich zwei Familien. Die, gegen die man nichts machen kann – und die, für die man alles tun würde. In meiner Familie 2 hat es sich in den letzten Jahren zur schönen Tradition entwickelt, am ersten Weihnachtsfeiertag das Fest gemeinsam zu ertragen und sich an einem spirituellen Ort zu besinnlicher Trinkerei zu treffen. Der spirituelle Ort ist jedes Jahr der selbe – leicht zu reinigen, ohne wertvolle Gegenstände (bis auf zwei) und so abgelegen, dass man niemanden stört.
Und damit’s trotz behaglicher Kuschelstimmung nicht zu kalt wird, gibt es jedes Jahr die famous Feuerzangenbowle. Eine Komposition feinster Rotweine, erwärmt auf einem Gasherd, veredelt mit besten Nelken und gewürzt mit zwei Rum-getränkten Zuckerhüten, die karamellisiert dem Ganzen eine wunderbar süßliche Note verleihen. Ein Traum im 20-Liter-Topf für den kleinen Durst zwischendurch.

Feuerzangenbowle Deluxe
Stilecht übrigens nur mit dem XXXL-Suppenlöffelgitterdings. Und mit einem Teelicht unter’m Topf zur Optimierung der Wärmebilanz.
Keine Frage, dass dieses Event jedes Jahr mehr und mehr Suchtgefährdete in seinen Bann zieht – dieses Jahr wurde im gemütlichen Kreis zu sechzigst gefeiert. Professionelle Organisation garantiert dabei optimale Abfertigung. Zumindest, bis der erste Topf geleert ist. Dann fängt die eine Hälfte der Familie an, die andere Hälfte mit nervigem Gebrabbel vollzuquatschen, während sich die andere Hälfte unter konstantem Zufluss betrinkt, um das Gerede der einen Hälfte zu ertragen.
Ein ausgeglichenes Verhältnis von Männlein und Weiblein sorgt dabei für stressfreies Feiern. Nach tiefgreifenden Sinnierungen über die Herkunft von Hello Kitty und ihr Problem mit schwarzen Katern kann man so problemlos in der Motorradecke über rosa Handschuhe und Opas mit Sonntagshüten lästern.
Hat dann auch der zweite Topf Bowle seinen Weg in die Blasen der Familie gefunden, beginnt der Abend, seinem gewohnten Gang zu Folgen: Während sich Frauengrüppchen wild diskutierend in der Küche ihrem Kommunikationsdrang hingeben, beginnen die Kerle, mit dem einzig wichtigen Einrichtungsgegenstand rumzuspielen:

The Famous Holzpenis
Die rituelle Anbetung des überlebensgroßen Holz-Fallussymbols hat dabei mit der Zeit gar religiöse Ausmaße angenommen. Vollintegration ist selbstverständlich. Nicht nur als Symbol feucht-fröhlicher Festivität, nein auch als praktischer Taschenwärmer oder liebevoller Fußkrauler zeigt der Holzpenis seine universelle Einsetzbarkeit.

Holzfußpenis
Zu noch späterer Stunde findet dann auch das Frauenvolk gefallen am Männerspielzeug – aber anders als die ungestühmen Buben denkt Frau voraus und schützt sich vor unliebsamen Spätfolgen.

Nie ohne Schutz am Schniedelwutz!
Warum nun gerade ich um die Zipfelmütze gebeten wurde, ist mir bis jetzt noch nicht ganz klar. Als in Klausur lebender Nonner stehe ich weder in Kontakt zu Frauen noch habe ich beruflich mit Parisern zu tun. Höchstens mit Hamburgern und Berlinern. Und auch mit denen nur am Telefon oder im Schnellrestaurant. Ungewollten Schwangerschaften beuge ich da erfolgreich durch Telefonus Interruptus und Brechus Reizus vor.
Gegen fünf Uhr morgens sind dann alle Frauen befriedet, alle Männer im Vergleich geschlagen und alle Töpfe geleert. Die Party ein voller Erfolg und ich ein voller Vollpfosten. Hab ich mich doch im Suff freiwillig zum Aufräumen am nächsten Tag eingetragen. Immerhin hat man dann nen Grund, Nachmittags den ganzen Familienrotz hinter sich zu lassen und stattdessen den Rotz der Familie 2 vom Boden zu wischen. Auch was schönes. Es ist ja ein reines Geben und Nehmen. Die anderen geben dem Affen Zucker..und ich nehme ihn mit dem Lappen vom Boden auf. Ein Traum in schwarz.
Trotz allem eine wunderschöne, altdeutsche Tradition, die für mich gleich nach der rituellen Weihnachtsbaumverbrennung und dem institutionalisierten Fettburgenbauen am ersten Weihnachtsfeiertag kommt. Manchmal ist man dann eben doch Traditionsmensch.
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