Es ist Dienstag, der 22. Dezember 2009. Noch zwei Tage bis zum Fest. Der Countdown läuft, Baby!
Anders als gefühlte 236% der Deutschen bin ich weder in überschwinglicher Weihnachtsstimmung, noch habe ich Geschenke gekauft oder laufe mit einem weißen Bart im Gesicht durch die Gegend. Nein. Ich sitze mit meinem Ein-Tage-Bart im Büro, trinke wie jeden Morgen meinen Kaffee und genieße einen pappigen Spekulatius vom letzten Freitag (kleiner Witz am Rande: “Was essen Banker eigentlich zu Weihnachten?” – “Na, Spekulatius!”). Das ist dann aber auch Weihnachtscontent genug. Nicht falsch verstehen – ich bin kein Weihnachtsmuffel. Ganz im Gegenteil. Ich liebe es, beschenkt und bekocht zu werden! Nur diese ganze vorweihnachtliche halligalli-tüdelü-stressy-Geschenke-Sache muss ich mir nicht geben. Da arbeite ich lieber bis zum 23. durch, feiere bis in den heiligen Morgen hinein und starte dann zuhause mit der Familie gegen Mittag das Fest. Je nachdem, wie der Vorabend war, auch erst gegen Nachmittag.
Vielleicht liegt mein Mangel an Vorweihnachtsaufgeregtheit daran, dass ich in den vergangenen Jahren niemanden ausser mir selbst beschenken musste. Und zu den Zeiten, als ich jemanden anders beschenken musste, hat mir das auch nie so richtig Spaß gemacht. Lag aber auch an derjenigen, die ich da beschenken musste. Die hat mir nämlich irgendwann auch nicht mehr so richtig Spaß gemacht. So habe ich nun die diesjährigen Weihnachts-Rush-Days damit verbracht, mir selbst einen Haufen neuer Mützen zu kaufen und mich auch sonst mal neu einzukleiden. Schließlich will man auf dem Weihnachtsmarkt ja schick aussehen. Vom restlichen Weihnachtsgeld wurde dann Glühwein gekauft. Der ist zwar vergänglich, hebt aber die Stimmung ungemein. Und führt immer wieder zu interessanten kleinen Weihnachtsbettgeschichten, die dann auch mich in die Vorweihnachtszeit befördern. Nächstenliebe und so.
Zwischenmenschlichkeit ist doch was tolles. Manchmal reicht es einem halt nicht mehr, nur der Omi in der Bahn den Platz anzubieten. Nein. Der Frau mit den nervenden Kindern hilft man noch fix, den stinkenden, verschlammten Kinderwagen in den Bus zu hieven. Und dann hört man sich noch das verwirrte Gebrabbel der aufgeregten Erstsemesterstudentin an, die ob des schlechten Wetters Angst hat, zu Spät zu ihrer Prüfung zu kommen (für die sie ja extra drei Tage gelernt hat). Einfach so. Ohne Gegenleistungen zu erwarten.
Manchmal sitzt man aber auch einfach nur da..zuhause..in der Küche..schaut auf ein flackerndes Teelicht und freut sich, dass bald vor allem eines mehreres ist: Urlaub. Zeit zum Abschalten. Familie. Heimat.
Denn Weihnachten ist für mich nicht die Zeit im Jahr, in der ich versuche, den Menschen durch überzogen teure Geschenke ein geheucheltes Lächeln aus den Riemen zu leiern, nein, Weihnachten ist die Zeit, in der man Freunde trifft. Und Leute, die sich gern Freunde nennen würden, dies aber nicht sind. Mit denen man dann aber trotzdem spricht. Weil eben Weihnachten ist. Und, weil man sich ja über die Anzahl seiner Freunde in Social Networks definiert. Und nichts ist da effizienter als Direktaquise auf Weihnachtsfesten. Denn da will niemand allein dastehen.
Ich habe dieses Jahr also weder Weihnachtsgeschenke für andere Menschen gekauft, noch habe ich den betrunkenen Weihnachtsmann mit roter Nase gespielt. Zumindest habe ich es versucht. Dabei rausgekommen ist dann aber nur der betrunkene Mann mit roter Nase. Ein bisschen wenig Sozialität für das Fest der Nächstenliebe? Ich denke nicht. Denn statt meine Seele durch Spenden (die ich mir nicht leisten kann) oder ehrenamtliche Tätigkeiten (für die ich keine Zeit habe) freizukaufen, mache ich das, was ich für richtig halte: Den Menschen, denen ich etwas bedeute (und die mir etwas bedeuten), ein schönes Fest bescheren. Indem ich ihnen zuhöre, ihnen etwas erzähle oder einfach nur da bin.
Man kann auch mal selbstlos sein, in dieser tollen neuen Welt. Aber übertreiben muss man’s wirklich nicht.
Euch allen & euren Familien ein gesegnetes und frohes Fest!
|
|
Tags: arbeiten, countdown, dezember, fest, geschenke, glühwein, kaffee, studentin, teelicht, weihnachten, weihnachtseinkäufe
