Tag 2 KzH. So langsam beginnt der Lagerkoller. Ich bin es einfach nicht mehr gewohnt, so lang in der Bude zu hocken und darauf zu warten, das etwas passiert.
Da hilft nur eins: Schlafen. Das fördert bekanntermaßen die Regeneration und hilft dabei, die Zeit vergehen zu lassen. Leider fördert es auch die Gefahr, in tückischen Halbschlaf zu verfallen. Der Halbschlaf, in dem man schon irgendwelchen Mist träumt, nebenher aber auch noch reichlich Umgebungsgeräusche wahrnimmt. Besonders witzig wird’s dann, wenn der Kopf nicht mehr klarkommt und beides vermischt.
So natürlich auch heute. Nach dem Mittagessen geht ja meistens eh nix mehr. Also ab auf die Couch, ne Folge Dittsche an und Klüsen dicht. Klappte prima: Ich befand mich umgehend in einer Frittenbude, in der Jogginghosen mit Ketchup und Pommes als Empfehlung der Cuisine auf der Karte standen. Vor dem Fenster liefen Kaffeepackungen in Bademänteln vorbei, die offensichtlich Weihnachtsgeschenke besorgen mussten. Eine wahre Idylle.
Bis plötzlich.. BRIIINNNNGGG!!! BRIIIIIIIIIINNNGGELINNNG!!
Feueralarm? Fliegeralarm? Eieruhr? Nein. Ein penetranter halbwüchsiger rannte mit Baggy-Pant und Ed Hardy-Shirt durch den Imbiss und störte den Frieden mit einer alten Türklingel, die er offensichtlich aus der Wohnung seiner Eltern geklaut hatte, während die Super Nanny gerade beim Sozialamt um Hilfe flehen musste. Grund genug, aufzustehen und den Zwerg mal kräftig einzunorden.
Aufzustehen…ja…äh…das war dann auch der Moment, in dem sich Traum und Wirklichkeit vermischten. Nach einem herzhaft milden “SEI RUHIG, ARSCHLOCH!” sah ich an mir herunter und….stand mitten im Flur. Vor den zwei Telefonen der WG. Die just aufhörten zu klingeln.
Da hat sich mein Körper wohl vom Kopf nen Streich spielen lassen.. Immerhin hat es was gebracht. Und zum Glück war ich gerade allein..
“Herzhaft Mild” ist übrigens seit einigen Tagen mein Lieblings-Unsinns-Ausdruck. Kreiert wurde er von einem großen Kaffeeröster:

Hilde Merzhaft
Ich bin ja abhängiger leidenschaftlicher Kaffeetrinker und habe dementsprechend schon viel gesehen und getrunken. Klar. Entweder ist ein Kaffee mild oder eben herzhaft. So wie ein Parfum gut oder schlecht riecht, eine Lasagne leicht oder schwer im Magen liegt, Popcorn süß oder salzig ist, eine Frau sehr oder noch mehr zickt, ein Kerl eitel oder noch eit(ei)ler ist. Aber beides zusammen? Der Coupé-Transporter unter den Autos? Der Privatjet-A-380 unter den Flugzeugen? Das Käse-Chicken-BBQ-Big-Mäc-Fishmac-Burger-Menü unter den Sparmenüs? Die Pommes-Schranke? Die Heidi Klum für jedermann?
Alles schöne Dinge, die wir uns alle wünschen. Aber die so auf dieser Welt einfach nicht ohne weiteres realisierbar sind. Manchmal schließen sich Dinge eben gegenseitig aus. Warum sollte das beim Kaffee also anders sein?
Ich traue dieser Kampagne ja nicht. Ich denke, da wird einfach nur versucht, zwei Kundengruppen gleichzeitig zu erreichen. Ein klassisches “stuck in the middle“, wie man das in Fachkreisen nennt (hier lernt man sogar mal was!). Im Endeffekt schmeckt diese Kaffeesorte bestimmt wie jede andere. Eben “mittel”. Vollkommen unspektakulär. Nix für mich.
Einzig die Verpackung finde ich toll. Die ist nämlich grün-weiß. Genauso, wie der beste Fußballverein der Welt.
- Dieser Beitrag entstand zu 90% unter dem Einfluss von Aspirin -
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