Wie bereits berichtet hatte ich dieses Wochenende die Ehre, an einer ganz besonderen Samstagabendveranstaltung teilzunehmen: dem Bremen Vier-Kuppelzug. Speeddating der Extraklasse. Ein Zug, 80 Singles, 10 Bahnhöfe und eine Palette Sekt. Und im Anschluss der Heartbreaker’s Ball Seaside in Bremerhaven – die größte Single-Party im Bremer Umland. Da war Spaß vorprogrammiert!
Begonnen hatte das ganze ja bereits vor etwas über einer Woche mit meiner fixen Bewerbung für den Zug. Denn nicht jeder darf mit. Da wurde knallhart ausgewählt. Über 3000 Singles hätten sich beworben, wurde gemunkelt. Kann ich mir garnicht vorstellen. Wieso sollten die dann gerade mich ausgewählt haben? Naja. Sindse halt selber schuld, die Jungs und Mädels von Bremen Vier
Gestern Abend um 19 Uhr ging es nun endlich los. Für mich sogar schon um 16 Uhr. Mit dickem Schädel von der Weihnachtsfeier am Vorabend und dickem Durst auf dicke Gespräche fuhr ich als Schnapsleiche getarnt unbemerkt Richtung Oldenburg. Meine Tarnung flog erst auf, als mir vor Ort ein Namensschild auf der Brust die wohlgepflegte Anonymität raubte. Eingeteilt in Handelsklassen wurde das Frischfleisch im Zug verteilt. Ich landete in der Krabbelgruppe. Zum Glück. Denn da ging später die Party ab. Während in den anderen Gruppen pflichtbewusst das kollektive Schlafen geprobt wurde.

Besekteter Bremer
Angefeuert und geleitet von Bremen Vier-Moderator Simon Beek ging’s dann bereits in Oldenburg mit dem ersten Date los: Nach den ersten zwei bis zwölf Sekt hing die Zunge schon recht locker im Maul und störte beim Sprechen kaum noch. Intellektuelle Gespräche hatte ich eh nicht erwartet, also ran an den Smalltalk. Wie ich im Laufe der Dates feststellen durfte, war das eine eher unkonventionelle Herangehensweise. Ich fragte weder nach dem Alter, noch nach dem Beruf oder dem Bildungsstand – wozu auch, das sind schließlich alles zweitrangige Fakten, die man auch später erfragen kann. Wichtig ist im ersten Moment mal, dass die Gegenüber einem sympathisch ist. Und, dass es eine Frau ist. Eigentlich hätte ich das mal als erstes fragen sollen. Bei einigen konnte man sich da nämlich nicht immer so sicher sein.
Gleich beim zweiten Date kam dann auch ein rasender Reporter bei mir vorbei und rammte ein monströses Mikrofon zwischen mich und meine Gesprächsteilnehmerin. “Tut einfach so, als ob ich nicht da wäre!”. Top Idee. Und dann? Selbst ein bunt blinkender Leopard der Samba tanzt wäre weniger irritierend gewesen. Das, was wir zwei dann noch stammelnd ins Mikrofon gesabbelt haben, wurde hoffentlich kurze Zeit später ins digitale Akustik-Nirvana geschickt.
Auf halber Strecke in Bremen gab’s dann für die Raucher eine Raucherpause und für die Mädchen eine Mädchenpause. Die einzige Zugtoilette war zu dem Zeitpunkt bereits mehr als abgenutzt und durchgenudelt. Findige Daterinnen hatten herausgefunden, dass man unsympathischen Kerlen aus dem Weg gehen konnte, indem man vorgab, mal fix um’s Eck zu müssen. Sehr fies! Aber ich hätt’s bei einigen genauso gemacht.
Nach der Hälfte der Dates (von denen jedes so zwischen 3 und 15 Minuten dauerte) war dann sämtliche Struktur verloren und sämtlicher Spaß gewonnen. Weder die Frauen noch die Männer wechselten noch die Plätze – ich auch nicht, denn ich hatte zwei klasse Mädels gefunden bei denen ich mich wohl fühlte. Warum also weiterziehen, wenn der Spaß vor der Haustür liegt. Bis Bremerhaven wurde dann der Zug zerrockt. Güteklasse “A” wie “Außergewöhnlich Attraktiv”, “Absolut Affengeil” oder “Allerhand Atzen” machte die Nacht zum Tag und sprengte die Sektreserven. War auch gut so. Noch mehr Prozente und einige Kandidaten hätten die Toilette garnicht mehr verlassen.
Arrived in good old Bremerhaven ging’s dann per Bus weiter zur Stadthalle. Der Heartbreaker’s Ball gab jedem, der es bisher immer noch nicht zu einer Nummer oder einem Toilettenbesuch geschafft hatte, die Chance, nicht allein nach Haus zu wandern. Nette Geschichte. Bei guter Musik, mittelmäßigem Bier und harten Cocktails durfte bis in die frühen Morgenstunden gebaggert, gegraben, geschippt und gebettelt werden. Letzteres vor allem in den frühen Morgenstunden. Und vorzugsweise von Kerlen, die ohne Weiteres auch bei Schwiegertochter gesucht hätten mitspielen können.
Wie’s sich für eine zünftige Kuppel-Party gehört, gab’s natürlich auch reichlich Animation. Vorzugsweise schlüpfrige Spielchen mit Mann und Frau. Oder Mann und Mann. Ein Kandidat wurde nämlich bös hinter’s Licht geführt.
Und dieser Kandidat war…
…ich. Natürlich. Wer auch sonst. “Hey, wir haben hier ne Party mit geschätzten drölfzwillionen Singles. Und ein Depp grabscht jetzt mal Männerärsche an. Ach, lass’ das mal den Till machen!”
Fröhlich tanzend wurde ich plötzlich von einer Weihnachtsfrau über die halbe Tanzfläche gezerrt und hinter die Bühne verfrachtet. Ich war der Kandidat des nächsten Spiels. Klang witzig: “Du bekommst gleich auf der Bühne die Ärsche von drei Frauen gezeigt. Davon suchst du dir einen aus, den du toll findet. Und dann musst du mit verbundenen Augen ertasten, welcher es ist.” Geilo! Endlich mal nicht selbst an den Arsch gegrabscht bekommen, sondern auch mal straffrei selber grabschen. Da bin ich dabei!
Dass die Mädels dann aber gegen Kerle getauscht wurden, während ich mir die blickdichte Brille aufsetzte, davon hat keiner was gesagt. Hätt ich mir auch eigentlich denken können. Die Männerpopos fühlten sich ungewohnt an. Und plötzlich waren auch Portemonnaies in den Gesäßtaschen. Sehr seltsam.
Trotzdem durfte ich meinen Favoriten nennen. Nummer 1. “Warum?” – “Joa, der war knackig. Und die Hose saß gut!”… Ich glaube, eine Frau hätte kein treffenderes Urteil bilden können.
Immerhin gab’s als Preis Eintrittskarten für die Sauna. Denke aber nicht, dass ich die mit meinem Wahl-Arsch einlösen werde…
Fröhlich, recht nüchtern, saumäßig zerfeiert und mit einem Haufen neuer Nummern im Telefon, bei denen mir drei viertel der Namen schon heute so garnix mehr sagen, ging’s dann irgendwann am Morgen wieder Richtung Heimat.
Ein genialer Abend. Die große Liebe war zwar nicht dabei – aber wer sich das von so ner Veranstaltung erwartet, sollte lieber gleich Zuhause bleiben. Habe trotzdem selten so viel Spaß in einer Nacht gehabt. Ein ganz großes Dankeschön an die Bremen Vier-Crew und die netten DB-Mädels, die das ganze organisiert haben! Nächstes mal bewerbe ich mich wieder..das steht fest.
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