Miefige Müdder

Seit vier Tagen bin ich ja dank meines Praktikums hier in Hannover nun Mitglied der demographischen Gruppe der Berufspendler. Jeden Morgen 8 Minuten Fußweg zur U-Bahn, dann eine Station fahren, umsteigen, noch zwei Stationen fahren. Dann ein wenig arbeiten. Und danach das ganze rückwärts nochmal.

Zwangsläufig kommt man dabei mit ziemlich vielen Menschen in mehr oder weniger gewollten (Körper-)kontakt. Da sich meine Hirnleistung morgens noch auf ein lebensnotwendiges Minimum beschränkt, folgt mein Körper dem angeborenen Instinkt des Menschen und versucht, eine Intime Zone (nicht Intimzone) um sich herum aufzubauen. Das mag auch daran liegen, dass ich seit vielen Jahren meine Schul-, Arbeits- und Uni-Wege im Individualverkehr (=umweltbewusst mit dem Fahrrad) zurücklege und mich deshalb morgens für den einzig bedeutsamen Menschen auf der Welt halte. Kurzum: Ich stehe morgens nicht auf Körperkontakt mit Fremden, die nicht neben mir im Bett liegen.

Was aber noch schlimmer als Körperkontakt am frühen Morgen ist, sind die Dinge, vor denen man sich nicht mit einem rücksichtslosen Schubser oder einem kräftigen Tritt in den Hintern schützen kann: Gerüche und Geräusche. (Also known as “The Bad G-Strings“)

Das Morgens gern mal ein paar Obdachlose mit der Bahn durch die Stadt düsen, finde ich ja okay. Die brabbeln zwar im Suff auch gern mal Mist, aber solange sie in der Bahn sitzen, saufen sie zumindest nicht. Was hingegen nervt, sind pubertierende Teenagergruppen, die den gesamten Zug im Alleingang unterhalten: Heute habe ich zum Beispiel erfahren, dass Lisa mit Ben Schluß gemacht hat – weil der am Wochenende angeblich (!) mit Merle rumgemacht hat. Die wiederum ist aber mit Max zusammen…der aber an dem Abend KzH im Bett lag. Bestimmt Schweinegrippe. Oder -und das ist meine Vermutung- er hatte einfach keinen Bock auf seine Freundin. Denn die muss ziemlich hohl sein, wenn sie so nen Freundeskreis hat.

Noch viel schlimmer -und darum geht’s mir hier eigentlich- sind aber diese Sonnenbank-gebräunten, Dauer-gewellten, Rotlipp-geschminkten, alten Damen, die entweder ihre Klamotten in Kölnisch Wasser gewaschen haben oder einfach nicht mehr wahrnehmen, dass sie morgens zu oft an der Parfumflasche nuckeln. Da steht man am Bahnsteig und riecht schon aus 10 Metern Entfernung, dass man gleich mit so nem Muffmonster im selben Wagen stehen muss. Würde ich vor der Arbeit ausgiebig frühstücken, hätte es sich spätestens dann mit meinem Mageninhalt erledigt.

Natürlich bin ich gut erzogen und lasse mir nichts anmerken. Meine staatlich anerkannte Ausbildung als Apnoe-Kurzzeittaucher (ich habe das goldene Schwimmabzeichen, musste also 3 hilflose Tauchringe aus 2 Metern Tiefe retten) kommt mir dabei zugute: Ich atme einmal tief ein, steige in die Bahn und atme erst aus, wenn ich wieder aussteige. Dabei wird man zwar seltsam angeschaut (und blau im Gesicht), dafür läuft man aber nicht Gefahr, seinen Geruchssinn durch Überreizung zu verlieren.

Seit diesem Erlebnis heute morgen überlege ich nun aber, was solche Frauen denn eigentlich dazu bewegt, so miefig durch die Gegend zu laufen..? Ob das ein nicht verarbeiteter Schaden aus der Kindheit ist? Oder sind sie einfach schon einen Schritt weiter als ich und haben bereits die Dritten (Nasenflügel)? Eventuell sind es auch Pheromone, die nur knackige, junge Kerle wahrnehmen, die in der Blüte ihres Lebens stehen und durch ihre Attraktivität ihrerseits Botenstoffe ausstrahlen?

Ich werde morgen einfach mal fragen, wenn ich wieder einer solchen Duftwolke begegnen sollte. Und wenn ich das mit dem Sprechen und der Atmung ohne Nasennutzung hinbekomme.

ToDo:

  • Nasentraining für gezieltes Nicht-riechen
  • Nasenmaske für den täglichen Gebrauch besorgen

2 Kommentare
Veröffentlicht in Gedöns am 22. Oktober 2009 um 19:41 Uhr

2 Kommentare zu „Miefige Müdder“

  1. Thomas sagt:

    Die arme Merle. Naja, das nächste Mal.

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